„Handfestes Abwärtsrisiko“
IWF sieht Kern-Europa durch Schuldenkrise bedroht

Griechenland, Portugal, Irland: Europas Schuldensünder halten die Politik in Atem. Jetzt schlägt auch der IWF angesichts der Probleme Alarm und warnt vor einem Übergreifen der Krise auf Länder wie Deutschland.
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Washington/BerlinDer Internationale Währungsfonds (IWF) drängt die Europäer zu einer besseren Absprache in Finanz- und Wirtschaftsfragen, um Krisengefahren zu bannen. Der Fonds warnte in seinem am Donnerstag veröffentlichten Regionalausblick, die Schuldenkrise einiger Euro-Länder stelle das größte Risiko dar. Eine Ansteckung von Kernstaaten der Euro-Zone und anderer europäischer Länder könne noch nicht ausgeschlossen werden. Es bleibe ein „handfestes Abwärtsrisiko“. Zu Kerneuropa werden Staaten wie Deutschland, Frankreich und die Beneluxländer gezählt. Genannt werden aber auch Italien sowie Spanien und Großbritannien. Insgesamt stellten die Finanzprobleme im Euro-Raum das größte Risiko dar. In seiner Analyse warnte der Fonds, gerade für die hoch entwickelten Länder des Kontinents hingen die Wachstumsaussichten wesentlich davon ab, dass und wie die Schuldenprobleme im Euro-Raum sowie die fortdauernden Schwächen im Finanzsystem gelöst und behoben werden.

„Von der finanzpolitischen Integration abzugehen, wäre falsch“, warnte der Fonds angesichts einer Debatte, in der inzwischen sogar ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone ein Thema ist. Die Gemeinsamkeiten müssten vielmehr vorangetrieben werden. Europa habe die Folgen der Finanzkrise nur deshalb so ausgedehnt zu spüren bekommen, weil es im Finanzbereich unzureichend integriert sei und übergreifende Mechanismen zur Krisenlösung fehlten. Europa habe zwar seine Vertiefung mit der gemeinsamen Währung vorangetrieben, aber keine effektiven Instrumente entwickelt, um grenzüberschreitende Risiken bekämpfen zu können.

Um sich zu wappnen gegen die Gefahr neuer Krisen, bedarf es dem IWF zufolge einer höheren Wachsamkeit - sowohl auf nationaler wie auch auf grenzüberschreitender Ebene. Zudem müssten bessere pan-europäischer Institutionen aufgebaut werden, die Probleme im Finanzsektor angehen.

Griechenland hat nach IWF-Angaben noch keine zusätzlichen Finanzhilfen beantragt. „Die Initiative dafür müsste natürlich von den Griechen ausgehen, wenn sie der Meinung sind, dass weitere Maßnahmen nötig sind“, sagte IWF-Europachef Antonio Borges. Der IWF sei bereit, dem hoch verschuldeten Euro-Staat weiter unter die Arme zu greifen.

Das griechische Spar- und Reformprogramm läuft nach Einschätzung des IWF nicht immer nach Plan. „Das Programm ist sehr nachhaltig und ehrgeizig gestaltet und da ist es normal, dass es die eine oder andere kleinere Abweichung vom Plan gibt“, sagte Borges. Dafür habe es Fortschritte in Bereichen des Konsolidierungsprogramms gegeben, wo sie zu Beginn nicht zu erwarten gewesen seien. „Bei der letzten Überprüfung der Fortschritte des Programms in Griechenland haben wir festgestellt, dass das Programm ordentlich läuft.“ Zu Ergebnissen der derzeit laufenden Prüfung äußerte sich Borges nicht. Er sei nicht sicher, welche Schlüsse die Experten bei ihrer Überprüfung zögen, die im Juni abgeschlossen werde.

Deutschland beharrt bei Finanzhilfen an Portugal und Griechenland auf konkreten Gegenleistungen der betroffenen Schuldenländer. Er sei sich im Falle Griechenlands der erheblichen Beunruhigung bewusst, die die vielen "Meldungen zur Entwicklung der Zinssätze an den Finanzmärkten und all diese Fragen" ausgelöst haben, sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble im Bundestag. Klar sei aber auch: Mit Griechenland sei eine Kreditvereinbarung getroffen worden. Wenn sich zeige, dass Griechenland die Auflagen nicht wie vereinbart erfüllt habe, sei zunächst einmal vor allem das Land selbst gefordert.

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  • Erzählen Sie das mal unserer antideutschen Merkel.
    Die geht in ihrer Dummplapperei so weit, dass sie den Frieden in Europa vom Euro abhängig macht.
    Die dämliche FDJ-Jule vergißt völlig, dass wir schon eine gute funktonierende EU hatten als es die Merkel noch gar nicht gab.
    Sie und Schäuble zerstören alles

  • und nicht nur das mit dem Exportwahn. Das ginge ja noch, wenn dann die Exportüberschüsse im eigenen Land verbleiben würden, wie zu DM-Zeiten, aber jetzt verbleiben sie im europ. Ausland.
    Hinzu kommt, dass unserem Land, unserem Binnenmarkt immer mehr Geld entzogen wird, was zwar hier verdient wird, aber unserem Wirtschaftskreislauf nicht wieder zugeführt wird.
    Oder glaubt jemand, die Polen, Rumänen usw. geben ihr hier verdientes Geld hier aus? Irrtum, die kaufen ihre Sachen in Polen, da sind sie nämlich billiger
    Die sogenannten Asylanten die hier alle von Hartz IV leben, schicken davon noch Geld nach Hause, also kann das nur heißen, die bekommen zu viel.
    Wie lange soll denn das alles noch gehen?
    Und auch an Unangenehmes muß man ran. Es kann nicht sein, dass Rentner sich verabschieden, die hier erarbeitete und verdiente Rente voll und ganz im ausland ausgeben, dort aber dann in Spanien z. B. auch die Pflegestandards wie hier verlangen und wir zahlen das. D. h. mit usnerer Pflegeversicherung zahlen wir quasi span. Pflegekräfte
    ist Deutschland eigentlich völlig durchgeknallt
    Das alles hat mit einer europ. Union nichts zu tun, das ist Ausbeutung unseres Landes

  • So mußte es ja kommen, jetzt sagt uns dieser IWF was wir zu tun und zu lassen haben. Das haben wir der Antidemokratin Merkel zu verdanken, die im letzten Jahr den IWF nach Europa geholt hat in der ersten Krise.
    Der IWF hatte zuvor in Europa überhaupt nichts zu sagen. er kümmerte sich ausschließlich um Entwicklungsländer.
    Wer stopopt endlich diese Volkszerstörerin Merkel?

    Und dass wir zunehmend in eine saftige Inflation rutschen, kann jeder merken, der einkaufen geht
    Da geht es bei den Lebensmitteln nicht mehr um mal 0,5 € Preiserhöhung, da sind auf diverse Artikel mal gleich 20 oder 30 Cent fällig.
    Aber allen nichtsnutzigen Politikern im Bundestag ist derzeit nur das Ökogeschrei wichtig, was ohnehin z. T. verlogen ist.
    Das ist Volksverdummung und damit soll das Volk abgelenkt werden von den wahren Problemen

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