Höchster Juni-Stand seit deutschen Einheit
Experten erwarten 4,3 Millionen Arbeitslose

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt trotz leichter saisonaler Verbesserungen bleibt weiterhin düster. Nach Berechnungen von Experten waren im Juni rund 4,3 Mill. Männer und Frauen ohne Arbeit.

HB/dpa NÜRNBERG. Das wäre der höchste Juni-Stand seit der deutschen Einheit. Im Vergleich zum Mai ging die Zahl der Arbeitslosen den Fachleuten zufolge nur um rund 10 000 zurück. Im Schnitt der vergangenen sechs Jahre war die Arbeitslosigkeit im Juni um 50 000 gesunken. Im Vergleich zum Juni 2002 wären damit derzeit 380 000 bis 390 000 mehr Menschen ohne Arbeit.

Bereinigt um jahreszeitliche Sondereinflüsse stieg die Erwerbslosenzahl um 25 000, nachdem sie noch im Mai um 4000 gefallen war. Andere Fachleute gehen wegen der verstärkten Vermittlungsbemühungen hingegen nur von einem Anstieg der saisonalen Arbeitslosenzahl von 20 000 aus. Der Anstieg dieses Wertes sei ein Hinweis auf die unverändert schwierige Lage auf dem Arbeitsmarkt, sagte der Arbeitsmarkt-Experte des Münchner ifo- Instituts, Wolfgang Meister.

„Wir stecken weiter in einer Stagnationsphase. Daher sind im Moment keine konjunkturellen Impulse für den Arbeitsmarkt zu erwarten“, sagte Meister. Auch Rainer Schmidt von Kieler Weltwirtschaftsinstitut sieht den Arbeitsmarkt durch die schwache Konjunktur weiter belastet. Leichte Verbesserungen sind nach seiner Einschätzung fast ausschließlich auf die mit dem Job-Aktivgesetz verbundenen häufiger verhängten Sperrzeiten für offensichtlich arbeitsunwillige Arbeitslose zurückzuführen.

Im Mai hatten nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit in Deutschland 4 343 400 Menschen keine Arbeit. Das waren 152 800 weniger als im April, aber 396 000 mehr als im Mai 2002. Die Arbeitslosenquote war im Mai von 10,8 auf 10,4 % gesunken. Saisonbereinigt war die Erwerbslosenzahl im Mai erstmals seit vielen Monaten wieder zurückgegangen - und zwar um 4000. Auch dies hing nach Experteneinschätzung mit der seit einigen Monaten verstärkt angewandten Arbeitsamts-Strategie der angezogenen Daumenschrauben zusammen.

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