Ifo-Geschäftsklimaindex
Stimmungsknick in deutscher Wirtschaft

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im November unerwartet deutlich verschlechtert. Dabei bewerteten die vom Ifo-Institut befragten rund 7 000 Unternehmen sowohl ihre aktuellen Geschäfte als auch ihre Aussichten etwas skeptischer als noch im Oktober.

HB BERLIN. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank auf 97,8 von revidiert 98,8 Punkten im Oktober, wie das Münchner Info-Institut am Donnerstag mitteilte. „Trotz dieses Rückgangs liegt der aktuelle Geschäftsklimaindex aber noch deutlich über seinem Septemberwert“, erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. „Die neuen Daten sprechen für eine Fortsetzung der moderaten konjunkturellen Aufwärtstendenz.“

Da besonders die schlechte Stimmung im Einzelhandel für das schwächere Geschäftsklima verantwortlich war, sahen Analysten das bisherige Konjunkturbild bestätigt. „Der private Konsum ist nach wie vor der Bremsklotz der deutschen Wirtschaft“, sagte Bernd Weidensteiner von der DZ Bank. Ifo-Volkswirt Gernot Nerb schloss nicht aus, dass auch die Aussicht auf eine baldige Zinsanhebung der Europäischen Zentralbank (EZB) die Stimmung gedämpft hat. Sein Ifo-Kollege Klaus Abberger betonte aber, dass sich die Effekte einer leichten Zinserhöhung wohl in Grenzen halten dürften und sich die Wirtschaftserholung auch 2006 fortsetzen werde. Viel hänge aber vom weiteren Vorgehen der EZB ab. An den Finanzmärkten reagierte der Euro mit Kursverlusten, während die Anleihen zulegten.

Im November fiel der Ifo-Geschäftsklimaindex nach kräftigen Zuwächsen in den beiden Vormonaten um einen ganzen Punkt auf 97,8 Punkte und damit noch etwas stärker als von Volkswirten erwartet. Abberger verwies wie Sinn aber darauf, dass der Index immer noch über dem Wert vom September liege, so dass der Rückgang nicht überbewertet werden sollte. „Insgesamt spricht die Tendenz der letzten Monate für eine moderate konjunkturelle Aufwärtstendenz“, sagte er. Dieser Trend sollte bis in das nächste Jahr anhalten, wobei sich das Wachstum im Jahr 2006 noch etwas beschleunigen sollte. „Es ist aber keine euphorische Entwicklung abzusehen“, sagte der Ifo-Volkswirt.

Der von Wirtschaftsvertretern kritisierte Koalitionsvertrag von Union und SPD belastete die Stimmung in der deutschen Wirtschaft insgesamt nach Einschätzung des Ifo-Instituts nicht nachhaltig. Abberger sagte, der Einfluss der Politik auf den Geschäftsklimaindex im November sei nicht sehr stark gewesen, zumal keine großen Überraschungen mehr in dem Koalitionsvertrag enthalten gewesen seien. Auch in den kommenden Monaten dürfte der Einfluss auf die Stimmungslage in der Wirtschaft nur begrenzt sein.

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