Ifo-Index fällt
Unternehmen sehen Zukunft noch düsterer

Die Stimmung an den Finanzmärkten hat sich zuletzt deutlich verbessert. Doch bei den Unternehmen kommt davon nichts an. Ihre Stimmung hat sich im Oktober zum sechsten Monat in Folge verschlechtert.
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MünchenDie Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich den sechsten Monat in Folge verschlechtert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank im Oktober weiter von 101,4 auf 100,0 Punkte. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sagte am Mittwoch in München: „Die Wolken am deutschen Konjunkturhimmel verdunkeln sich.“

Auch die heute veröffentlichten Zahlen vom Einkaufsmanagerindex für Deutschland fielen schlecht aus. Der Einkaufsmanagerindex fiel um 1,1 auf 48,1 Punkte, teilte das Markit-Institut am Mittwoch zu seiner Umfrage unter 1000 privaten Unternehmen aus Industrie und Dienstleistungssektor mit. Das Barometer verharrt damit seit einem halben Jahr unter der 50-Punkte-Marke, ab der Wachstum signalisiert wird. "Die deutsche Wirtschaft hat im Oktober wieder den Rückwärtsgang eingeschaltet", sagte Markit-Ökonom Tim Moore. "Das lag vor allem daran, dass die Industrieproduktion stärker zurückgefahren wurde als zuletzt."
Die schlechten Zahlen stehen im Gegensatz zu der zuletzt deutlich besseren Stimmung an den Finanzmärkten. So ist der ZEW-Index über die Stimmung der Finanzmarktexperten in den vergangenen Monaten gestiegen.

"Es stellt sich die Frage: Ist das Glas halb voll oder halb leer? Trotz des starken Rückgangs ist es meiner Meinung nach halbvoll," sagt Andreas Rees von der Unicredit. Das Geschäftsklima sei ausschließlich wegen der schlechteren Lage zurückgegangen, weil die Unternehmen jetzt ihre Auftragsbestände abarbeiten. Das sei ein natürlicher Prozess.
"Die positive Nachricht ist, dass sich die Geschäftserwartungen stabilisiert haben - zum einen durch die in Aussicht gestellten Anleihenkäufe der EZB und der beruhigten Finanzmärkte, zum anderen aber auch durch eine fundamentale Verbesserung. So geht es in China und anderen asiatischen Ländern wieder bergauf. Es gibt Licht am Ende des Tunnels."

Holger Schmieding von der Berenberg Bank wertete die Zahlen als enttäuschend. Sie deuteten darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft im Schlussquartal bestenfalls stagniere.

Die befragten Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage schlechter als im September. Die Geschäftserwartungen blieben auf niedrigem Niveau unverändert. Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer war angesichts der weltweit schlechteren Konjunkturaussichten und der ungelösten Schuldenkrise in Europa seit Mai jeden Monat gesunken. Banken-Volkswirte hatten für Oktober eigentlich eine leichte Verbesserung erwartet, weil sich die Lage an den Finanzmärkten stabilisiert hatte.

Aber in der Industrie ging die Stimmung weiter nach unten, weil die Betriebe mit ihrer aktuellen Geschäftslage deutlich weniger zufrieden waren. Die Kapazitäten seien schwächer ausgelastet. Auch im Handel und auf dem Bau wurde das Geschäftsklima schlechter. Für den ifo-Geschäftsklimaindex befragen die Konjunkturforscher jeden Monat rund 7000 Unternehmen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Ifo-Index fällt: Unternehmen sehen Zukunft noch düsterer"

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  • @tobi59
    Ja genau, wo ist da ein Problem?!
    Wir können uns ja alle ein schönes Beispiel an den Politikern von Berlin und Brandenburg nehmen. Die haben sich auch gedacht, wo ist da ein Problem, wenn ich als Laie (Politiker) die Planung und Organisation des Berliner Großflughafen selbst in die Hand nehme. Währender der Bauphase da ein kleine "politische" Änderung und dort auch noch eine und dort noch eine...ist ja egal was es kostet und ob es zu Verwirklichen ist. Politik ist ja nicht gleich Realität und vor allem ist Politik nicht wirtschaftsorientiert, weil die Politiker ja das Geld für Ihre Träumereien von dem "dumm-blöden" Steuerzahler und Zwangsabgabenblecher bekommen.
    Deutschland verschuldet und verpfändet sich immer mehr. Dank an unsere ideologischen Politpharisäer.

  • vor allen Dingen weil alle diese Exporterfolge bezahlt wurden von den Kunden, äh von der eigenen Bevölkerung über Target2 bezahlt werden dürfen. Bin gespannt, wann diese Blase platzt.
    Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

  • @HofmannM,
    und wo liegt da das Problem, gehen wir eben unter dem Rettungsschirm ESM, dafür wurde er doch aufgespannt und die anderen Länder zeigen sich mit uns solidarisch.
    Also alles bestens.

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