Ifo-Index wieder schlechter
„Die Verunsicherung der Firmen wird immer größer“

Die Schuldenkrise in Europa und die nachlassende Weltkonjunktur haben die Stimmung der deutschen Firmenchefs im Oktober den vierten Monat in Folge gedrückt. Experten hoffen nun auf eine schnelle Lösung der Euro-Krise.
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München/BerlinDer Ifo-Geschäftsklimaindex fiel auf 106,4 von 107,4 Punkten im Vormonat, teilte das Münchner Ifo-Institut am Freitag mit. Analysten hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf 106,3 Zähler gerechnet . „Angesichts der internationalen Turbulenzen schlägt sich die deutsche Wirtschaft damit vergleichsweise gut“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Die 7000 befragten Manager schätzten sowohl die Aussichten für die kommenden sechs Monate als auch die aktuelle Lage schlechter ein. Das Barometer für die Konjunkturerwartungen fiel wie erwartet auf 97,0 von 97,9 Punkten. Der Lage-Index sank auf 116,7 von 117,9 Zählern, während Analysten 116,8 Punkte vorausgesagt hatten. Der Ifo-Index ist das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, das die Entwicklung der kommenden Monate zuverlässig vorhersagt.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass Wirtschaftsleistung am Jahresende stagniert. Eine Rezession befürchtet sie aber nicht. Für 2012 sagt sie ein Wachstum von 1,0 Prozent voraus, für das zu Ende gehende Jahr werden 2,9 Prozent prognostiziert.

Analysten warnen jedoch davor, darauf zu vertrauen, dass Deutschland dauerhaft von Krisen-Unsicherheiten verschont bleibt. Die deutsche Wirtschaft halte sich bei diesem schwierigen internationalen Umfeld zwar "noch relativ gut", sagt Arnd Schäfer von der WestLB.. Doch die Schuldenkrise laufe auf einen Höhepunkt zu. "Das beste Konjunkturprogramm für die deutsche Wirtschaft wäre ein Durchbruch bei der Lösung der Schuldenkrise", sagte der Ökonom. Aber auch der lasse am Wochenende auf sich warten. "Die Verunsicherung der Unternehmen wird in diesem Schwebezustand immer größer.“

Die anhaltende Unsicherheit über den Ausgang der Schuldenkrise belaste die Stimmung, konstatiert auch Jörg Zeuner, Chefökonom der VP Bank Gruppe. "Aber auch ohne Eskalation der Situation hat die Gefahr einer erneuten Rezession merklich zugenommen." Die Unsicherheit der Konsumenten und Unternehmen belaste die wichtigsten inländischen Wachstumskomponenten, die schwache Konjunktur verringere 2012 den Außenhandelsüberschuss Deutschlands. "Darüber hinaus klemmt in der Euro-Zone die Kreditvergabe", gibt Zeuner zu bedenken. Aktuell präsentiere sich die Lage in Deutschland zwar positiv. "Doch allmählich wird es angesichts der globalen Wachstumsverlangsamung auch für die Kernländer ungemütlich."

Die deutsche Wirtschaft steuert nach Einschätzung von Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, sogar auf eine Rezession zu. Dies signalisiere der vierte Rückgang des Ifo-Index in Folge, erläutert der Ökonom. Schmieding betont aber, dass der Abschwung „hausgemacht“ sei. Er führt die Entwicklung auf die Schuldenkrise zurück, nachdem Deutschland im Sommer auf eine Umschuldung in Griechenland bestanden habe, ohne zugleich Italien abzuschirmen.

Ralph Solveen von der Commerzbank weist ebenfalls darauf hin, dass eine merkliche Abschwächung der Konjunktur nicht mehr geleugnet werden könne. Sie verlaufe aber in einem mehr oder weniger geregelten Tempo. "Dies ist also kein Einbruch", sagt der Ökonom. "Es sieht so aus, als käme es nicht zu einer Rezession. Wir sehen für das Winterhalbjahr allerdings nur sehr geringe Wachstumsraten.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • der Glaube- und HoffnungsIndex...
    Volker Pispers über den IFO Geschäftsklimaindex ! ´
    http://www.youtube.com/watch?v=igJZtYUdJsM

  • ja, sowas gab es Ende 2008 auch schon, dass die Bundesregierung über Wochen hinweg, leere Güterzüge (mit Containern) fahren lassen hat, damit die Leute denken, der Export würde laufen!!! :D

    Bin schon gespannt, was die Geschichtsbücher aufarbeiten, wenn dieses inzwischen lächerliche System zerfällt!!!

  • Übernächste Woche, laufen bei Automobilherstellern Kurzarbeits-Pläne an! Quelle: direkt von der Stammbelegschaft!!!

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