IfW-Chef Snower will international an die Spitze
Kieler Institut steckt im Totalumbau

Im Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen. Nicht nur der alte Gebäudetrakt der Denkfabrik wird grundlegend umgebaut – auch die Strukturen des 1914 gegründeten Instituts. Noch in diesem Jahr sollen die bestehenden sechs Abteilungen aufgelöst und kleinere flexible Teams gebildet werden, die zu drei Oberthemen forschen sollen, sagt IfW-Chef Dennis Snower dem Handelsblatt.

HB KIEL. Snower spricht von drei „Programmblöcken“ mit den Themenschwerpunkten „Globalisierung und Wachstum“, „öffentliche Güter und Wirtschaftspolitik“ und „Makroökonomische Aktivitäten und Finanzmärkte“. Eigene Abteilungen für Umweltökonomie, Konjunktur oder Finanzmärkte wird es dann in Kiel nicht mehr geben.

Von der Auflösung der starren Strukturen verspricht sich Snower, „flexibler und damit schneller auf neue Themen reagieren“ zu können. Denn anders als in den Abteilungen, in denen die Zuständigkeiten festgeschrieben waren, sollen die IfW-Forscher künftig je nach Interesse und Bedarf in mehreren Forschungsbereichen flexibel eingesetzt werden, so Snower. Die derzeitigen Abteilungsleiter sollen die neuen Programmblöcke nicht koordinieren; sie bekämen aber Tätigkeiten, die „ihren herausgehobenen Positionen entsprechen“.

Snower: „Zuzüglich zu ihren Forschungsprojekten werden sie große neue Verantwortungen übernehmen“ – beispielsweise die akademische Weiterbildung. Aus dem Kreis der Betroffenen verlautet grundsätzliches Einverständnis. So sieht sich einer der Abteilungsleiter zwar als „Verlierer, weil ich in der alten Struktur mit an der Spitze stand“. Für das gesamte IfW aber sei die Entwicklung „positiv, denn es besteht kein Zweifel, wir haben den Strukturwandel gebraucht.“

Das gute Image des Instituts war zuletzt angekratzt worden, als sich die Suche nach einem Nachfolger für den langjährigen Institutschef Horst Siebert gut ein Jahr in die Länge gezogen hatte. Drei renommierte deutsche Professoren hatten einen Ruf abgelehnt. Auf Siebert-Nachfolger Snower lastet seit seinem Amtsantritt 2004 der Druck, das IfW in der nationalen Spitze zu behaupten und vor allem im internationalen Wettbewerb mit ausländischen Wirtschaftsforschern aufzuholen.

Mit der Umstrukturierung kommt Snower offenbar auch einem Wunsch der Zuwendungsgeber nach – das IfW zählt zu den sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungseinrichtungen, deren Etat zur Hälfte von Bund und Ländern finanziert wird. Sie plädieren nach Angaben der Wissenschaftsgemeinschaft Leibniz (WGL) (siehe „Institute unter der Lupe“) dafür, die Institute nach Programmbudgets abzurechnen, nicht mehr wie bisher nach dem Prinzip der Kameralistik. Ob dafür eine Anpassung der Strukturen notwendig sei, liegt laut WGL in der Hand der Institute.

Vor seinem Amtsantritt hatte Snower der Öffentlichkeit nur ein recht vages Konzept vorgestellt und angekündigt: „Ich möchte ein großes internationales Netz von Wissenschaftlern aufbauen, das über die bisherigen Forschungsverbünde hinausgeht“, hatte er dem Handelsblatt damals gesagt. Nun gibt er erstmals Details bekannt.

Snower will seine Denkfabrik noch stärker auf weltwirtschaftliche Themen ausrichten: „Globalisierung steht als größtes Thema der Zukunft in unserem Fokus.“ Damit will er das Alleinstellungsmerkmal des IfW im Vergleich zu den anderen führenden Wirtschaftsforschungsinstituten ausbauen. Den Anschluss an die Weltspitze der Ökonomen will er gewinnen, indem er den Kontakt zu internationalen Forschern intensiviert: „Wir wollen verstärkt international hochrangige Gastprofessoren einladen und virtuelle Netzwerke aufbauen.“

Die Idee, internationale Netzwerke zu knüpfen und so neue Ideen und Kontakte zu gewinnen, hatten vor dem IfW bereits das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) – zwei weitere der sechs führenden Institute.

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