Immobilienmarkt
Gefühlter Reichtum in den USA zerrinnt

Der US-Immobilienmarkt entwickelt sich vom Wachstumsmotor zur Konjunkturbremse. Nachdem der Boom auf dem Immobilienmarkt die Konjunktur in den USA jahrelang beflügelt hat, befürchten Ökonomen nun einen Bumerang-Effekt.

NEW YORK. Der Einbruch auf dem Häusermarkt erwischt die Wirtschaft in einer Schwächeperiode und könnte sie in eine Rezession stürzen. Volkswirte an der Wall Street haben ihre Wachstumsprognosen für das kommende Jahr auf unter zwei Prozent heruntergeschraubt. Schon ein kleiner Schock könnte die Konjunkturlokomotive dann zum Stillstand bringen.

Die Talfahrt auf dem Immobilienmarkt hat sich in den vergangenen Monaten zunehmend beschleunigt. Die Verkäufe bereits existierender Häuser sind im August um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Der mittlere Hauspreis sank um 1,7 Prozent, der erste Rückgang seit mehr als zehn Jahren. „Der Immobilienmarkt scheint im freien Fall zu sein“, schreiben Stephen King und Ian Morris, Ökonomen der britischen Großbank HSBC. Ein von Jonathan Wright entwickeltes Modell für die US-Notenbank taxiert das Risiko einer Rezession im kommenden Jahr auf 40 Prozent. „Die Gefahr steigt“, sagt auch Stephen Roach, Chefökonom der Investmentbank Morgan Stanley in New York.

Zunächst wird der Bausektor den Markteinbruch zu spüren bekommen. Die Baubranche hat seit März bereits 40 000 Jobs abgebaut. Die Volkswirte der Investmentbank Goldman Sachs rechnen damit, dass in den kommenden Jahren bis zu zwei Millionen Stellen in dem Sektor wegfallen könnten. Der Rückgang der Bauinvestitionen und der Verlust von Arbeitsplätzen drückt die Wachstumsrate bereits nach unten.

Für noch bedeutender halten Ökonomen allerdings den „negativen Wohlstandseffekt“. Während des Booms haben viele Amerikaner den stark gestiegenen Wert ihrer Häuser genutzt, um Hypothekendarlehen aufzunehmen. Extrem niedrige Zinsen der Notenbank wirkten wie ein Lockruf des billigen Geldes. Die geliehenen Mittel wurden nicht nur verwendet, um das eigene Heim zu modernisieren, sondern dienten auch dazu, größere Anschaffungen oder Reisen zu finanzieren. Auf diese Weise wurde der Boom auf dem Immobilienmarkt zur wichtigsten Konjunkturstütze der US-Wirtschaft.

Experten fürchten, dass sich das Leben auf Pump nun rächen wird. So hat sich das Kreditvolumen, dass US-Bürger mit Hypothekenkrediten abgesichert haben, binnen eines Jahres fast halbiert. Damit stehen auch für den Konsum deutlich weniger Mittel zur Verfügung. Jan Hatzius, Chefökonom bei Goldman Sachs, rechnet deshalb damit, dass sich das Wachstum des privaten Verbrauchs 2007 auf zwei Prozent abschwächen wird.

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