Inflation
Preise erstmals seit 1987 gesunken

Wirtschaftskrise und sinkende Energiekosten bescheren Deutschland in diesen Wochen einen historischen Einschnitt: Im Juli 2009 waren die Verbraucherpreise zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahrzehnten wieder niedriger als im entsprechenden Vergleichsmonat des Vorjahres.

HB BERLIN. Nach ersten Hochrechnungen, die das Statistische Bundesamt am Mittwoch veröffentlichte, dürfte sich die Inflationsrate im abgelaufenen Monat bei minus 0,6 Prozent einpegeln. Eine negative Teuerungsrate hatte es hierzulande zuletzt im März 1987 gegeben - damals waren es allerdings lediglich minus 0,3 Prozent.

Die Daten sind zunächst einmal eine gute Nachricht für Verbraucher, da mit sinkenden Preisen die Kaufkraft ihres Einkommens steigt. Dieser Aspekt gewinnt derzeit umso mehr an Bedeutung, als die Folgen der Krise für die Industrie auf breiter Front für eher sinkende Effektiveinkommen sorgen. "Das stärkt die Kaufkraft und stützt den privaten Konsum", sagte der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Kai Carstensen. Die Tendenz dürfte sich noch eine Weile fortsetzen - zumindest bis Herbst erwarten Volkswirte weiter sinkende Verbraucherpreise.

In den Vormonaten war die Jahresteuerung in Deutschland mit null im Mai und plus 0,1 Prozent im Juni noch knapp am negativen Bereich vorbeigeschrammt. Für den Durchschnitt der Eurozone hatte das Europäische Statistikamt Eurostat dagegen bereits im Juni erstmals seit Einführung des Euro eine negative Rate von minus 0,1 Prozent ermittelt.

Der Preis des für die Inflationsberechnung zugrundegelegten Warenkorbs wird vor allem durch drastisch gesunkene Energiepreise nach unten gezogen. So kosteten Kraftstoffe laut statistischem Bundesamt im abgelaufenen Monat durchschnittlich 20 Prozent weniger als im Juli 2008, noch stärkere Preisrückgänge von teilweise mehr als 40 Prozent verzeichnete es bei Heizöl. Die vorliegenden Daten sind zunächst Hochrechnungen auf Basis der Meldungen aus sechs Bundesländern. Ein leichter Preisrückgang um 0,1 Prozent stellte sich nach Angaben der Behörde auch im Vergleich zum Vormonat Juni ein.

Der Rückgang im Jahresvergleich fiel erheblich kräftiger aus als von vielen Volkswirten wartet war: etwa doppelt so stark. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten im Vorfeld durchschnittlich mit einer eine Inflatiosnrate von minus 0,3 Prozent gerechnet. Eine Erklärung für den besonders kräftigen Rückgang liegt darin, dass der Ölpreis genau vor einem Jahr seine historischen Höchstsände erreicht hatte. Rohöhl kostete damals mehr als 140 Dollar pro Barrel, aktuell pendelt der Preis zwischen 60 und 70 Dollar.

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