Inflationsdruck
Experten rechnen mit Zinserhöhung der EZB

Die Krise im Nahen Osten und Nordafrika sorgt für steigende Verbraucherpreise. Die EU-Kommission prognostiziert für 2011 einen Jahresschnitt von 2,2 Prozent. Damit steigt der Druck auf die EZB, ihren Leitzins anzuheben.
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Brüssel

Die steigende Inflation in der Euro-Zone setzt die Europäische Zentralbank (EZB) unter Zugzwang. Höhere Energiepreise trieben die Teuerungsrate im Februar auf 2,4 Prozent - den höchsten Stand seit knapp zweieinhalb Jahren. Die EZB sieht stabile Preise mittelfristig aber nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet. Nach Prognose der EU-Kommission vom Dienstag dürfte diese Schwelle auch im Jahresschnitt mit 2,2 Prozent übertroffen werden. Damit wächst der Druck auf die EZB, die Zinsen anzuheben.

"Die Inflationsrisiken nehmen zu", sagte Commerzbank-Analyst Christoph Weil. Die EZB habe Angst vor einer Lohn-Preis-Spirale, bei der Arbeitnehmer als Ausgleich für Kaufkraftverluste deutliche Lohnerhöhungen durchsetzen und die Unternehmen diese Mehrkosten auf die Verbraucher abwälzen. Notenbank-Chef Jean-Claude Trichet hat zuletzt vor solchen Zweitrundeneffekten gewarnt und Lohnerhöhungen als töricht bezeichnet. Die meisten Experten erwarten deshalb in der zweiten Jahreshälfte eine erste Zinserhöhung, die Kredite für Verbraucher und Unternehmen teurer macht und damit die Inflation dämpfen kann.

Industrie klagt über Kostenexplosion

Wie stark der Preisdruck inzwischen ist, belegt eine Umfrage des Markit-Instituts unter 3000 Industrieunternehmen in den Euro-Ländern. Ihre Kosten stiegen in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, die Niederlande und Österreich in Rekordtempo. Hauptgrund: Chemikalien, Energie, Nahrungsmitteln, Öl, Metalle und Textilien haben sich massiv verteuert. Die Firmen hoben deshalb auch ihre Verkaufspreise so stark an wie noch nie seit Umfragebeginn 1996. "Damit gerät die EZB immer stärker unter Zugzwang, die Zinsen anzuheben", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

Eine rasche Zinserhöhung wird aber nicht erwartet, auch weil übermäßige Lohnsteigerungen wegen der hohen Arbeitslosigkeit in vielen Euro-Ländern derzeit nicht in Sicht sind. "Die Währungshüter werden alles andere als glücklich sein über den Preisanstieg", sagte der Europa-Chefvolkswirt von IHS Global Insight, Howard Archer. "Aber es ist auch höchst unwahrscheinlich, dass sie schon bei ihre Ratssitzung am Donnerstag mit einer Zinserhöhung kommen."

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