IW-Studie
Wirtschaft steckt höhere Mehrwertsteuer weg

Die deutsche Wirtschaft wird die Mehrwertsteuererhöhung nach Einschätzung des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ohne größere Probleme wegstecken. Dadurch sollte sich auch die Erholung des Arbeitsmarkts fortsetzen.

HB KÖLN. Der Aufschwung werde im kommenden Jahr nicht abbrechen, zog das IW am Montag als Fazit aus seiner Herbstumfrage unter rund 2000 Unternehmen. „Das Herz der deutschen Wirtschaft schlägt kräftig und stabil“, unterstrich IW-Direktor Michael Hüther. Die Abkühlung des Wirtschaftswachstums auf 1,5 Prozent nach rund 2,5 Prozent in diesem Jahr habe vor allem technische Ursachen: „Der Konjunkturmotor bleibt intakt.“ Jedes zweite Unternehmen rechnet 2007 mit einer höheren Produktion als 2006. Damit sollte Hüther zufolge auch die Erholung des Arbeitsmarktes weiter gehen.

Die Erhöhung der Mehrwertsteuer zum Jahreswechsel auf 19 von jetzt 16 Prozent hatte auch beim IW die Sorge ausgelöst, der beginnende Aufschwung könnte dadurch abgebrochen werden. Diese Befürchtungen haben sich nun angesichts des voraussichtlich stärksten Wirtschaftswachstums seit 2000 verflüchtigt. Zwar werde das Wachstum gedämpft, sagte Hüther, der Aufschwung werde aber nicht abgewürgt. Ohne die Steuererhöhung würde die Wirtschaft 2007 voraussichtlich um rund zwei Prozent wachsen.

In der Herbstumfrage gaben sich die Unternehmen zwar in einigen Bereichen nicht mehr ganz so optimistisch wie im Frühjahr. Insgesamt bewerten sie aber ihre Aussichten weiter sehr positiv. So haben bereits dieses Jahr 38 Prozent ihr Personal aufgestockt und nur noch 17 Prozent sprechen von einer rückläufigen Beschäftigung. Für das kommende Jahr gaben nun 29 Prozent der Firmen an, ihre Belegschaft zu vergrößern, nur 18 Prozent erwägen einen Arbeitsplatzabbau. Auch im Osten dürfte sich der Trend zum Positiven gedreht haben, sagte Hüther.

Einen ungebrochenen Optimismus stellte das IW auch bei den Exporterwartungen fest. Fast 42 Prozent der Firmen rechnen mit einem weiter steigenden Auslandsgeschäft, nur 4,5 Prozent sehen schwächere Exporte. „Damit dürfte die Auslandsflanke der deutschen Wirtschaft bis auf weiteres gesichert sein“, sagte Hüther. Ebenfalls nach oben zeigen die Investitionen, vor allem in Kapitalgüter wie Maschinen. 36 Prozent erwarten steigende Investitionen, nur 17 Prozent planen, ihre Budgets zu kürzen.

Hüther hob hervor, durch die in den vergangenen Jahren in vielen Firmen erreichte stärkere Flexibilisierung der Arbeitszeiten und die Modernisierung des Kapitalstocks sei wohl auch das Potenzialwachstum gestiegen. Damit wird die Rate beschrieben, mit der eine Wirtschaft ohne inflationäre Spannungen wachsen kann. Hüther zufolge dürfte das Potenzialwachstum eher bei zwei als der häufig genannten ein bis 1,5 Prozent liegen. So hätten viele Firmen zunächst keine Probleme gehabt, die steigende Nachfrage zu bedienen und erst vergleichsweise spät damit begonnen, ihre Kapazitäten zu erweitern. Mittlerweile trügen die Investitionen neben dem Export die Konjunktur.

Den Inflationsdruck sieht Hüther dementsprechend begrenzt. Die Europäische Zentralbank (EZB) könne aber ihren Weg zu einem neutralen Zins, der das Wachstum weder stimuliert noch bremst, weitergehen. Dabei würde er auch bei einem Leitzins von vier Prozent nicht unruhig werden, sagte Hüther. Die EZB wird nach Erwartung der Finanzmärkte Anfang Dezember die Zinsen im Währungsgebiet auf 3,5 von derzeit 3,25 Prozent anheben.

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