Kai Carstensen
„Dieser Aufschwung besitzt eine neue Qualität“

Der deutschen Wirtschaft stehen glänzende Jahre bevor. Das zumindest prophezeien Ökonomen wie Kai Carstensen. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt der Konjunkturchef des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, warum er so optimistisch in die Zukunft blickt.
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Handelsblatt: Was unterscheidet diesen Aufschwung von früheren?

Kai Carstensen: Konjunkturzyklen sind nie gleich, sie werden stets durch äußere Anlässe begründet. So starke Reaktionen auf den Ölpreis wie in den 1970er-Jahren werden wir wohl nicht mehr erleben, denn die Industrienationen hängen nicht mehr in einem so starken Maße vom Öl ab wie damals, die Wirtschaft hat eine größere Widerstandskraft gegenüber solchen Schocks. Die Achillesferse der großen Volkswirtschaften sind heute die Finanzmärkte, das haben wir mit Wucht zu spüren bekommen.

Dennoch trauen namhafte Ökonomen, nicht zuletzt das Ifo-Institut, der größten Volkswirtschaft des Euro-Raums eine langfristig erfolgreiche Entwicklung zu. Was nährt Ihre Zuversicht?

Dieser Aufschwung besitzt eine neue Qualität. Die deutsche Wirtschaft hat vor dem Beginn der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise harte strukturelle Anpassungen hinter sich gebracht, ihre Arbeitskosten gesenkt und damit ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit in einem hohen Maße gestärkt. Den Unternehmen ging es vor dem Ausbruch der Krise blendend. Die Früchte für diese Einschnitte ernten wir nun - und aller Voraussicht auch in den kommenden Jahren. Hinzu kommt, dass der einheitliche europäische Zinssatz für Deutschland eigentlich zu niedrig ist und dass das deutsche Sparkapital nicht mehr so bereitwillig ins Ausland fließt; auch davon werden wir in den kommenden Jahren profitieren.

Noch haben wir aber nicht einmal das Vorkrisenniveau erreicht ...

Das stimmt, wir werden vermutlich Ende 2011 wieder leicht über dem Niveau sein, auf dem wir vor der Krise waren. Das ist aber kein Widerspruch. Denn obwohl diese Rezession weitaus schärfer war als frühere - die Wirtschaftsleistung sank um 4,7 Prozent, nach der ersten Ölkrise dagegen nur um 0,8 Prozent -, dauert der Aufholprozess diesmal nicht unbedingt länger.

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  • Ja, Herr Carstensen, dieser Aufschwung besitzt eine neue Qualität. ist nur eben die Frage, welche.

    Schauen Sie sich die Geldmengenausweitungen an, z.b. China: in 2009 hatten wir dort ein Wirtschaftswachstum von ca. 8,5 bis 9,0%, aber eine Ausweitung der Geldmenge um knapp 25% ! Ergo: Der VRC-Aufschwung baut auf einer inflation von ca. 16% auf, soviel zur Realität. Dieses Phänomen kann derzeit - seit 2007 - überall auf der Welt beobachtet werden.

    Was wir derzeit weltweit erleben, ist ein nach der Lehre der "Österreichischen Schule der Nationalökonomie" laufender Crack-Up-boom. Die Gelder der Rettungspakete fließen direkt in die Spekulation und pushen die Märkte (Aktien, Rohstoffe, bisher auch Anleihen) immer weiter hoch. Klar hat der Dax das Potenzial, bis 2012/2013 auf unglaubliche 15.000 bis 30.000 Punkte anzusteigen - ist dann nur die Frage zu welchem Preis. Es riesige Spekulationsblase baut sich derzeit auf, die wahrscheinlich ihr finales Ende finden wird.

    Crack-Up-boom - der letzte boom vorm endgültigen Kollaps des Finanzsystems. Aber es wird vermutlich noch ein Weilchen dauern, bis ihre Zunft diesen Umstand realisiert (nur dann werden wir uns bereits in der totalen Katastrophe befinden, Rezession wäre dann noch ein traumhaftes Szenario).

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