Kampf gegen Kreditklemme
Großbritannien öffnet die Geldschleusen

Die britische Notenbank öffnet im Kampf gegen Kreditklemme und Wirtschaftskrise die Geldschleusen weiter. Die Bank von England beschloss auf ihrer Sitzung am Donnerstag, binnen drei Monaten weitere Wertpapiere für bis zu 25 Mrd. Pfund anzukaufen.
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HB LONDON. Sie hatte erst kürzlich ihr Programm über 175 Mrd. Pfund abgeschlossen. Zugleich beließen die Währungshüter um Zentralbank-Gouverneur Mervyn King den Leitzins unverändert bei 0,5 Prozent.

Die Notenbanker reagieren mit dem von Experten erwarteten erneuten Anwerfen der Notenpresse auf die anhaltende Wirtschaftsmisere. Großbritannien hatte sich überraschend auch im Sommer nicht aus dem Würgegriff der Rezession lösen können. Die Notenbank setzt aber mit Blick auf die jüngst aufgehellte Verbraucherstimmung auf Besserung: „Eine Reihe von Indikatoren (...) deutet darauf hin, dass eine Erholung schon bald eintreten könnte.“ In der Hoffnung auf eine Konjunkturwende zogen King und Co. daher nun nicht alle Register: Manche Experten hatten mit einer Aufstockung des Programms um 50 Mrd. Pfund gerechnet. „Falls die Wirtschaft nächstes Jahr wieder schwächeln sollte, müsste die Notenbank womöglich nachlegen“, sagte Colin Ellis von Daiwa Securities.

Die britischen Währungshüter schlagen mit der neuerlichen Ausweitung der Geldbasis international einen Sonderweg ein: Die US-Notenbank Fed hatte am Vorabend keine weiteren Maßnahmen zur Stimulierung der Wirtschaft beschlossen. Auch die Europäische Zentralbank (EZB), die am frühen Nachmittag ihren Zinsbeschluss erläutern wollte, dürfte ihre Politik der ruhigen Hand fortsetzen und denkt bereits über einen künftigen Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes nach. Den Leitzins hielten die Währungshüter um Jean Claude Trichet stabil bei einem Prozent. In dem Commonwealth-Land Australien, das sich als weitgehend immun gegen die globale Flaute erwiesen hat, steigen die Zinsen sogar schon wieder.

Großbritannien leidet wegen seines starken Finanzsektors hingegen besonders stark unter der Wirtschaftskrise und hat mit massiven Kreditproblemen zu kämpfen. Das Land mit dem führenden Banken- und Börsenstandort London steckt seit anderthalb Jahren im Konjunkturtal fest. Eine derart lange Durststrecke hat es seit Beginn der Aufzeichnungen Mitte der 50er Jahre noch nicht gegeben. Mit dem Ankaufprogramm für Wertpapiere verabreicht die Notenbank der kränkelnden Wirtschaft eine kräftige Spritze: Das Gesamtvolumen von 200 Mrd. Pfund entspricht mehr als 14 Prozent der britischen Wirtschaftsleistung.

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