Kommentar
Die Realwirtschaft ist gesund

Trotz der katastrophalen Lage an den Finanzmärkten, läuft die Realwirtschaft rund. Das zeigt nicht zuletzt der aktuelle Ifo-Index. Deutsche Firmenchefs haben sich nicht von der schlechten Stimmung anstecken lassen.
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Billionenaufwand den Finanzsektor künstlich beatmen müssen. Kann das auf Dauer gutgehen? Es kann. Wer den Blick über den Krisenrand hinaushebt, sieht auch warum. Für die Bewohner der westlichen Industrieländer stellt sich die Finanzkrise, die sich zur Staatsschuldenkrise erweitert hat, als historischer Einschnitt dar, der die jahrzehntelang gewohnten Wachstumsmodelle und -raten infrage stellt. Für die Menschen in den aufstrebenden Wirtschaftsnationen wie China, Indien oder Brasilien ist die Finanzkrise aber nur ein externer Störfaktor, der ihren eigenen Aufstieg bremst – und ein Anlass, aus den Fehlern des Westens zu lernen.

Chinesen, Brasilianer, Inder und andere werden sich deshalb von der anhaltenden Finanzkrise im Westen nicht davon abhalten lassen, in ihre Infrastruktur und Industrialisierung zu investieren und ihren wachsenden Wohlstand auch für den Kauf westlicher Luxusgüter zu nutzen. Davon profitieren global tätige Unternehmen, die entsprechende Güter herstellen. Davon hat Deutschland besonders viele, und deswegen geht es der deutschen Wirtschaft auch trotz Finanz- und Euro-Schuldenkrise seit zwei Jahren besser als denen anderer traditioneller Industriestaaten. Aber auch Apple hat genau aus diesem Grund einen schier fabelhaften Gewinnsprung veröffentlicht.

Darum ist es auch kein Wunder, dass der Ifo-Index als wichtigster Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Konjunktur schon nach einer kurzen Delle wieder deutlich aufwärts weist. Es hat sich gelohnt, dass die deutschen Unternehmenslenker sich nicht von der extrem negativen Stimmung der Finanzmärkte und der Kritik vieler Ökonomen an den Rettungsbemühungen für die Währungsunion haben anstecken lassen. Sie haben darauf vertraut, dass sich ihre Wachstumschancen in den Schwellenländern nicht verflüchtigen werden und dass die deutsche Binnenwirtschaft solide dasteht. Und sie scheinen recht zu behalten.

Die Abkoppelung der Realwirtschaft von der Finanzwirtschaft kann also gutgehen. Aber allzu sehr darauf verlassen sollten wir uns trotzdem nicht – das wäre fahrlässig. Daher können wir es nicht der Europäischen Zentralbank überlassen, das Bankensystem am Laufen zu halten. Wenn schon starke, namhafte Banken nur unter großen Schwierigkeiten frisches Eigenkapital am Markt bekommen, werden schwache Banken daran scheitern. Daher wird kein Weg daran vorbeiführen, dass der Rettungsschirm Europas systemrelevanten zu schwachen Banken nach einheitlichen Kriterien und zwangsweise frisches Kapital zuführt, wie es auch der Chef des Forschungsinstituts IW, Michael Hüther, fordert. Sonst bedroht das kaputte Bankensystem immer weiter die gesunde Realwirtschaft.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom

Kommentare zu " Kommentar: Die Realwirtschaft ist gesund"

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  • Ein Beitrag mal wieder direkt aus dem Propaganda Ministerium des Handelsblatts. Gruselig!

    Hallo Herr Heilmann, Banken retten ist keine Marktwirtschaft! Was nicht lebensfähig, ist muss abgewickelt werden.

    Und europaweit Banken aus den Rettungsschirmen zu retten ist ein weiterer Geldtransfer vom Norden in Richtung Süden. Wenn man da durchzählt gehen einem bald die Finger aus.

  • Die zu schwachen Banken dürfen nicht gestützt werden, sie gehen eben Pleite. Geht meinem Bäcker auch so, wenn er keine Brötchen mehr verkauft. Das gibt dann auch etwas Unmut bei den Kunden, und dann gehen die zum anderen Bäcker.
    Warum soll das bei Banken anders sein? Da lernen die zu wirtschaften!

  • Der Realwirtschaft geht´s nicht so gut. Nur - wer das sagt, bekommt keinen Kredit mehr, z.B. von seiner Bank. Deshalb
    bitte immer schön heucheln. Aber bitte Handelsblatt: Übernehmt doch nicht jeden Mist. Das ist ja bald peinlich, diese Oberflächlichkeit.

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