Konjunktur
Auf und davon

Dem dritten Rekordgewinnjahr folgt das vierte. Deutschlands Großkonzerne steigern schon wieder ihren Nettogewinn zweistellig. Solche Superlative überzeugen, doch wirklich unerwartet kommen sie nicht. Schließlich zweifelte vor einem Jahr kaum jemand daran, dass die Weltwirtschaft auch 2007 kräftig wächst. Überraschend ist eher ein anderes Detail: Deutschland hängt seine europäischen und amerikanischen Wettbewerber ab.

DÜSSELDORF. Während die Konzerne im Deutschen Aktienindex (Dax) in diesem Jahr ihren Nettogewinn um knapp 15 Prozent steigern, erreichen die großen europäischen und US-amerikanischen Wettbewerber allenfalls halb so viel. „Im derzeit investitionsgetriebenen Weltwirtschaftsaufschwung gerät der eigentliche Nachteil, dass Deutschland noch immer keine Dienstleistungsgesellschaft ist, zum Vorteil“, sagt die Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), Gertrud Traud. Die einst belächelte „Old Economy“ profitiert besonders. Das sind vor allem die vielen Firmen in der beschäftigungsintensiven Elektroindustrie, aus dem Stahl- und dem Maschinenbau. Sie kommen angesichts der starken Nachfrage aus Fernost, Südamerika und Osteuropa mit der Produktion kaum nach und setzen obendrein höhere Preise durch. Das beflügelt Umsätze und Margen gleichermaßen.

Ein Vergleich mit Frankreich verdeutlicht vieles. „Die deutschen Konzerne profitieren noch stärker von der Globalisierung und rasanten Weltnachfrage als die französischen“, sagt Carsten Klude von der Hamburger Privatbank M.M. Warburg. Die hohe Exportquote bestätigt seine These. Die Dax-Konzerne erwirtschaften im Ausland fast drei Viertel ihrer Umsätze. Im Nachbarstaat sind es nur zwei Drittel.

Viele Unternehmen haben einfach aber auch deshalb mehr Potenzial, weil ihre Ausgangsbasis nach dem Konjunktureinbruch 2002 niedriger ist. Frankreichs Energieriesen wie EDF und Total schwimmen seit Jahren im Geld, weil die Rohstoffpreise immens gestiegen sind. Jetzt haben die Konzerne es schwer, ihre Milliardengewinne zu steigern, weil die Messlatte hoch liegt.

Schließlich schöpfen unsere exportorientierten Konzerne wie Thyssen-Krupp, MAN, VW und Continental ihr Potenzial voll aus. Sie profitieren stärker als andere von der großen Nachfrage, weil klassische Industriegüter weltweit gefragt sind. Selbst der Wolfsburger Automobilkonzern schafft es, die von der höheren Mehrwertsteuer hervorgerufene Nachfrageschwäche im Inland mit steigenden Exporten mehr als nur zu kompensieren. Frankreichs Exportwirtschaft stützt sich dagegen viel stärker auf Konsumgüter. Dort sind die Wachstumsraten aber niedriger.

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