Konjunktur
Deutsche Firmen wetten auf den Aufschwung

Die US-Wirtschaft legt derzeit ein gewaltiges Tempo vor - zumindest was die Produktivität betrifft. Deutsche Unternehmen geraten immer weiter in Rückstand zur amerikanischen Konkurrenz. Trotzdem kein Grund zur Sorge, glauben Ökonomen. Doch was macht sie da so sicher?
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BERLIN/FRANKFURT. Die deutsche Wirtschaft gerät, statistisch gesehen, zurzeit in einen deutlichen Rückstand gegenüber den USA: Während amerikanische Unternehmen schon wieder mit starken Produktivitätszuwächsen glänzen, sind die Vergleichziffern hierzulande weiter negativ. Was normalerweise die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportwirtschaft massiv gefährden könnte, liefert nach Ansicht führender Ökonomen aber in diesen Zeiten noch keinen Grund zu akuter Sorge.

"Die gegenläufige Produktivitätsentwicklung spiegelt vorerst einmal nur wieder, dass sich amerikanische Unternehmen in schwierigen Zeiten wesentlich schneller von für sie weniger produktiven Arbeitskräften trennen als deutsche", sagte Rolf Langhammer, Vizepräsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), dem Handelsblatt. Demgegenüber gebe es bisher keine Anzeichen dafür, "dass hinter dem aktuellen Produktivitätssprung in den USA eine neue technologische Überlegenheit amerikanischer Unternehmen steht".

Letzteres wäre aus Sicht der deutschen Exportwirtschaft weitaus bedenklicher - denn dann müsste sie fürchten, mit ihrem bisherigen Produktangebot und ihren bisherigen Stärken selbst bei einem neuen Aufschwung der Weltwirtschaft im Hintertreffen zu bleiben. "Die hierzulande praktizierte Beschäftigungssicherung durch Kurzarbeit ist natürlich ein Balanceakt, den man nicht zu weit treiben sollte", betont Langhammer. Für "Horrormeldungen" über eine generell sinkende Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen gebe es bisher aber keinen Anlass.

Hintergrund sind die soeben vom US-Arbeitsministerium vorgelegten Produktivitätsdaten für das zweite Quartal. Aufs Jahr hochgerechnet haben amerikanische Unternehmen danach pro Arbeitsstunde 6,4 Prozent mehr produziert als im Vorquartal. Einen derart kräftigen Produktivitätssprung gab es zuletzt 2004. Demgegenüber geht die Produktivität der deutschen Exportwirtschaft derzeit mit zweistelligen Raten zurück.

Die Metall- und Elektroindustrie, unter deren Dach sich die großen Exportzweige vom Maschinenbau bis zur Autoindustrie versammeln, verzeichnete von Januar bis Mai eine um fast 18 Prozent geringere Produktivität als im Vorjahreszeitraum. Während sie im Schnitt gut ein Viertel weniger produzierte als vor Jahresfrist, sank die Zahl ihrer Arbeitnehmer um nicht einmal 2,5 Prozent. Spiegelbildlich zur Produktivität explodierten daher die Lohnstückkosten, die als Maß für die preisliche Wettbewerbsfähigkeit gelten: Das rechnerisch je Produkteinheit gezahlte Arbeitsentgelt stieg nach Daten des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall um 30 Prozent.

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