Konjunktur
Erneuter Rückschlag für Industrie bleibt aus

Die Industrie in Deutschland ist im April von einem neuerlichen Auftragsrückgang verschont geblieben. Das Wirtschaftsministerium sieht nun größere Chancen für eine Stabilisierung der Nachfrage nach Industrieerzeugnissen. Auch nach Einschätzung von Ökonomen zeichnet sich damit eine Bodenbildung ab.

HB BERLIN. Die Unternehmen sammelten bereinigt um saisonale Effekte und Preisveränderungen genauso viele Bestellungen ein wie im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Montag mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten dagegen mit einem Minus von 0,3 Prozent gerechnet, nachdem der Auftragseingang im März noch um revidiert 3,7 Prozent zugelegt hatte.

Das Ministerium sieht nun größere Chancen für eine Stabilisierung der Nachfrage nach Industrieerzeugnissen. Darauf wiesen auch Umfrageergebnisse hin. Zwar seien wegen der scharfen Einbrüche der vergangenen Monate die Belastungen für die Produktion hoch. „Auf mittlere Sicht haben sich die Aussichten aber spürbar verbessert“, hieß es.

Erstmals seit Dezember 2007 stieg die Nachfrage im Zweimonatsvergleich März April gegenüber Januar Februar wieder: Das Plus lag hier bei zwei Prozent. Dabei zogen vor allem die Bestellungen aus dem Ausland an, während aus dem Inland etwas weniger Aufträge kamen. Verglichen mit dem Vorjahr steckt die Industrie aber noch tief in der Krise: Hier sanken die Bestellungen allein im April um 37,1 Prozent und damit stärker als im März. Allerdings hatte der April in diesem Jahr wegen Ostern weniger Arbeitstage als im Vorjahr.

Aus dem Ausland sammelten die Firmen im April 0,5 Prozent weniger Aufträge ein, das Inlandsgeschäft legte dagegen um 0,6 Prozent zu. Dabei dürfte auch das milliardenschwere Konjunkturpaket eine Rolle gespielt haben, das unter anderem Investitionen in die Infrastruktur und in Bildungseinrichtungen enthält. Die Vorleistungsgüterhersteller erhielten sechs Prozent mehr Orders, die Produzenten von Konsumgütern 2,6 Prozent. Die Investitionsgüterhersteller verbuchten dagegen nach dem kräftigen Anstieg im Vormonat 4,4 Prozent weniger Aufträge.

Ökonomen zeigten sich erfreut über die Industriezahlen. Jörg Lüschow von der WestLB rechnet gar damit, "dass wir morgen ein Plus bei der Industrieproduktion sehen werden". Der Zweimonatsvergleich deute auf den Beginn einer Erholung hin. Diese werde aber schwach ausfallen, meinte der Analyst. "Wir haben eine dramatische Unterauslastung der Kapazitäten, bei gleichzeitig begrenzten Ertragsperspektiven." Das spreche gegen Investitionen. Zudem dürfte die Weltwirtschaft langsamer wachsen als in den vergangenen Jahren.

Auch für Matthias Hut von der LBBW deuten die Daten auf eine Stabilisierung bei den Aufträgen im Industriesektor hin. "Der freie Fall dürfte jetzt gestoppt sein", sagte der ökonom. Die Stabilisierung vollziehe sich jedoch auf niedrigem Niveau. Es könne noch Ausreißer nach oben oder unten geben. "Doch insgesamt wird das Niveau nicht ausreichen, um eine nachhaltige Erholung einzuleiten", sagte Hut und fügte hinzu: "Diese dürfte bis nächstes Jahr auf sich warten lassen.“

Nach Einschätzung von Ulrike Kastens zeichnet mit den neuesten Industriedaten eine Bodenbildung ab. "Die Bestellungen für Vorleistungsgüter wie Stahl oder chemische Erzeugnisse sind kräftig gestiegen", sagte die Analystin von Sal. Oppenheim. "Die werden in der Produktion weiterverarbeitet und nur bei entsprechenden Aufträgen geordert." Deshalb sei das ist "ein besonders positives Signal".

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