Konjunktur
Euro-Zone steuert auf Kreditklemme zu

In der Euro-Zone nimmt nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) die Sorge vor einer Kreditklemme zu. Auch das Münchner Ifo-Instituts sieht die gewerbliche Wirtschaft auf einen finanziellen Engpass bei Investitionen zusteuern.

HB FRANKFURT/BERLIN. Die Kreditvergabe der Banken und Sparkassen an Unternehmen und Verbraucher sei im November so langsam wie seit vier Jahren nicht mehr gewachsen, wie die EZB am Dienstag mitteilte. Sie erhöhte sich nur noch um 7,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Im Oktober waren es noch 7,8 Prozent.

Experten sehen darin ein Warnzeichen für die Konjunktur. „Die strengere Kreditvergabe stellt eine wachsende Bedrohung für die ohnehin schon kämpfenden Volkswirtschaften dar“, sagte Analyst Martin Van Vliet von ING Financial Markets.

Die Finanzkrise hat bei vielen Finanzinstituten milliardenschwere Löcher in die Bilanz gerissen. Um weiteren Verlusten und Kreditausfällen vorzubeugen, sind sie zurückhaltender bei der Geldvergabe geworden. Viele Unternehmen sind aber auf Darlehen angewiesen, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten oder Investitionen finanzieren zu können.

Die EZB-Einschätzung deckt sich mit einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts. „Die Tendenz zu einer restriktiveren Kreditvergabe durch die Banken beschleunigt sich“, teilte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn zu der Dezember-Umfrage unter 4000 Firmen mit. Das Bauhauptgewerbe, der Handel und das verarbeitende Gewerbe beurteilten die Kreditvergabe der Banken als deutlich strenger als noch im Vormonat.

Betroffen sind vor allem größeren Firmen. Fast die Hälfte der Großunternehmen in der Industrie klagt demnach über eine zurückhaltende Vergabe von Darlehen. Bei den mittleren und kleinen Firmen beträgt der entsprechende Anteil nur etwas mehr als ein Drittel. „Großunternehmen stoßen heute offenbar am ehesten auf Kredithürden, weil sie auf die von der Finanzkrise besonders betroffenen großen Privatbanken und Landesbanken angewiesen sind“, sagt Sinn.

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