Konjunktur
EZB stemmt sich gegen Nullzinspolitik

In der Europäischen Zentralbank (EZB) wird über die Möglichkeiten weiterer Zinssenkungen nachgedacht. Dabei offenbaren die Währungshüter nicht unbedingt ein einheitliches Bild: EZB-Ratsmitglied Nowotny sieht noch Spielraum für Senkungen, EZB-Direktoriumsmitglied Stark warnte dagegen vor kräftigen Nachlässen.

HB BERLIN. Dagegen sind sich die EZB-Leute einig darüber, dass eine Nullzinspolitik keine Lösung darstellen kann. Er sei „grundsätzlich kein Verfechter eines nominalen Leitzinses von Null, was negative reale Leitzinsen bedeuten würde“, sagte das EZB-Ratsmitglied, der österreichische Notenbankchef Ewald Nowotny, in einem auf der Webseite der „Financial Times“ veröffentlichten Video-Interview. In der EZB gebe es eine Diskussion über unkonventionelle Maßnahmen, die über die gewöhnliche Geldpolitik hinausgingen. „Das ist eine Debatte, die anhält“, sagte Nowotny. „Wir werden sehen, wie sich das entwickelt.“

EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark warnte vor kräftigen Zinssenkungen im Kampf gegen die Finanzkrise. „Aggressive Zinssenkungen, wenn wir keine Deflationsrisiken sehen, würde die Unsicherheit verschlimmern und nicht lösen“, sagte Stark in einem Interview mit der „Financial Times“. Die Europäische Zentralbank habe bei ihrer Geldpolitik auf kleine Schritte gesetzt. „Ja, nutze den Handlungsspielraum, der gegeben ist, aber nicht in einer Art und Weise, die unseren Ruf aufs Spiel setzt“, sagte Stark.

Auf die Frage, ob die Tür für einen weiteren signifikanten Zinsschritt weiterhin offen sei, entgegnete Stark: „Ich schließe nichts aus. Es ist aber klar, und zwar unabhängig von der Höhe eines solchen Schritts, dass der Raum für weitere Manöver in der Zukunft dadurch eingeschränkt wird.“ Einer Nullzinspolitik wie in anderen Volkswirtschaften erteilte Stark erneut eine Absage: „Ich würde das nicht gefährlich nennen. Ich würde aber sagen, es ist nicht empfehlenswert, ratsam oder wünschenswert.“

Die EZB beließ den Leitzins diesen Monat bei zwei Prozent. Zugleich deutete sie aber ihre Bereitschaft zu einer Zinssenkung im März an. Sollten die Notenbanker dann den Leitzins auf 1,5 Prozent senken, wie an den Kapitalmärkten erwartet, wäre es das tiefste Leitzinsniveau in der Geschichte der europäischen Gemeinschaftswährung. Die EZB liegt derzeit mit ihrem Zins noch weit über den Niveaus in Großbritannien oder den USA, wo die zuständigen Notenbanken bereits näher an der Null-Linie operieren und alternative geldpolitische Maßnahmen vorbereiten, wie etwa den Ankauf von Staatsanleihen oder die direkte Unterstützung von Unternehmen und Haushalten.

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