Konjunktur
Industrie führt US-Wirtschaft aus Rezession

Die seit Dezember 2007 anhaltende Rezession in den USA dürfte im dritten Quartal vor allem Dank einer höheren Industrieproduktion zu Ende gehen. Doch der private Konsum – traditionell der Hauptwachstumstreiber – fällt wegen steigender Kreditausfälle und höherer Arbeitslosigkeit als Konjunkturstütze wohl noch länger aus.

NEW YORK. Viel beachtete Barometer für die Industrieaktivität in den USA fielen teilweise deutlich besser aus als erwartet und deuteten damit eine bevorstehende Erholung an. Gleichzeitig stiegen jedoch die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosigkeit und die Quote der Hypothekenausfälle weiter an. Beides dürfte den privaten Konsum, der über 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung ausmacht, weiter bremsen. „Wir erwarten nicht, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt für den Verbraucher vor dem ersten Quartal 2010 verbessert“, sagte Stuart Hoffmann, Chefvolkswirt bei der Geschäftsbank PNC.

Im zweiten Quartal war die US-Wirtschaftsleistung nach ersten amtlichen Schätzungen mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von einem Prozent geschrumpft. Nach Einbrüchen von 6,4 und 5,5 Prozent in den beiden Vorquartalen hatte dies aber die Hoffnung genährt, die Wirtschaft könne im dritten Quartal erstmals seit Ende 2007 wieder wachsen. Experten rechnen derzeit mit einem Plus von gut zwei Prozent in den Monaten Juli bis September.

Die aktuellen Wirtschaftsdaten scheinen diesen Optimismus weiter zu stützen. So legte der Index für die Geschäftsaktivität im Großraum Philadelphia im August erstmals seit zehn Monaten wieder zu. Der Anstieg viel mit 4,2 Punkten sogar mehr als doppelt so stark aus wie erwartet. Zudem stieg der Index der Frühindikatoren des Forschungsinstituts Conference Board für Juli um 0,6 Prozent und damit den vierten Monat in Folge.

Vorerst keine Unterstützung dürfte die US-Konjunktur jedoch von ihrem traditionellen Wachstumstreiber, dem privaten Konsum, erhalten. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosigkeit stieg in der Woche zu 15. August stärker als erwartet auf 576000. Zugleich legte die Quote der Hypothekenausfälle im zweiten Quartal um den Rekordwert von 9,24 Prozent zu. Der Anstieg fiel damit 2,83 Prozentpunkte stärker aus als vor einem Jahr. Negativ schlage dabei zu Buche, dass die Ausfälle sich nicht mehr nur auf zweitklassige Hypotheken (subprime) konzentrierten, sondern erstklassige Kreditnehmer nun immer stärker betroffen seien, erklärte Jay Brinkman, Chefvolkswirt der Vereinigung der Hypothekenbanken, die die Zahlen erhebt. Hier schlage die Arbeitslosigkeit durch, fügte er hinzu. Es war Zusammenbruch des Immobilienmarktes, der in den vergangenen zwei Jahren die US-Bürger in finanzielle Schwierigkeiten stürzte und den Konsum einbrechen ließ. Zuletzt hatte es zwar einige ermutigende Zahlen zur Hauspreisentwicklung gegeben. Der neuerliche, starke Anstieg der Ausfallquoten bei den Hypotheken scheint aber anzuzeigen, dass die zuletzt zu beobachtbare leichte Erholung der Hauspreise die Situation der großen Masse der Bürger noch nicht verbessert hat.

Die US-Regierung versucht unter anderem mit einem Konjunkturprogramm und einer Abwrackprämie für Autos die Konsumlust der Bürger wieder anzukurbeln. Einige Hersteller wie General Motors legten daher zuletzt Sonderschichten ein, um die leeren Läger wieder aufzufüllen. Nach Schätzungen der Unternehmensberatung J.D. Powers dürfte der Autoabsatz in den USA bei Privatleuten erstmals seit zwölf Monaten wieder über die Marke von einer Mio. Fahrzeuge gestiegen sein. Allerdings scheint sich das Interesse der Kunden vor allem auf kleine Fahrzeuge zu konzentrieren, an denen die Hersteller weniger verdienen. So entschied sich General Motors am Donnerstag, die Pläne zur Produktion eines neuen Geländewagens zu kippen. Der ursprünglich bereits für 2010 geplante Wagen der Konzernmarke Buick wird nun vorerst gar nicht gebaut.

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