Konjunktur
Japan verbucht Handelsüberschuss

Eine kräftige Nachfrage aus China hat Japans Exporteuren im November zum stärksten Zuwachs seit sieben Jahren verholfen. Die Ausfuhren legten zum Oktober bereinigt um saisonale Effekte 4,9 Prozent zu.
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HB TOKIO. Das war bereits der vierte Anstieg in Folge und das stärkste Plus seit November 2002, wie das Finanzministerium in Tokio am Montag mitteilte. Damit hellen sich die Aussichten für die japanische Wirtschaft auf. Experten sehen nun eine geringere Gefahr, dass Japan im kommenden Jahr wieder in die Rezession zurückfallen könnte.

„Ich würde sagen, dass die Erholung der Exporte in diesem Jahr so ähnlich ausgefallen ist, wie wir uns es Anfang 2009 in unseren optimistischsten Träumen gewünscht haben“, sagte Junko Nishioka von RBS Securities. Man dürfe nun nicht übermäßig pessimistisch sein. „Die Wirtschaft wird zwar möglicherweise Anfang kommenden Jahres einen Dämpfer erhalten, aber eine Rezession ist unwahrscheinlich.“

Grund zur Hoffnung sehen Analysten in der anziehenden Nachfrage aus China. Erstmals seit 14 Monaten setzten japanische Unternehmen wieder mehr in dem aufstrebenden asiatischen Land ab als im Vorjahr. Das verhalf den Ausfuhren in die gesamte Region zu Zuwächsen. „Die starke Binnennachfrage in Asien, die nicht von dem Konjunkturprogrammen kommt, trägt immer stärker zur Erholung des japanischen Außenhandels bei“, sagte Seiji Shiraishi von HSBC Securities.

Die Nachfrage aus anderen Industriestaaten ist dagegen immer noch schwach. So setzten die japanischen Unternehmen 7,9 Prozent weniger in die USA ab als im Vorjahr, wenngleich der Einbruch deutlich geringer ist als in den Vormonaten. Die gesamten Ausfuhren Japans gingen im November binnen Jahresfrist um 6,2 Prozent zurück - das ist das geringste Minus seit einem Jahr. Noch im Oktober waren die Exporte um knapp ein Viertel eingebrochen, zu Jahresbeginn waren es zeitweise knapp die Hälfte. Der Handelsüberschuss lag im November bei umgerechnet etwa 2,9 Milliarden Euro und damit höher als von Experten erwartet.

Die japanische Wirtschaft hat sich vor allem wegen der Belebung des Außenhandels aus der Rezession gelöst. Die Binnenwirtschaft schwächelt dagegen immer noch, Deflation und eine vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit bremsen den Konsum. Erst vor wenigen Wochen hat die Regierung von Ministerpräsident Yukio Hatoyama ein neues Konjunkturpaket über umgerechnet gut 56 Milliarden Euro aufgelegt, um vor den Oberhauswahlen im kommenden Jahr die Wirtschaft anzukurbeln. Dennoch schwindet für sie die Unterstützung in der Bevölkerung zunehmend: In jüngsten Umfragen sanken die Zustimmungswerte erstmals seit Hatoyamas Amtsantritt vor drei Monaten unter die Marke von 50 Prozent.

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