Konjunktur
Konjunktur: Dämpfer für die China-Euphorie

Chinas Wirtschaft hat noch lange nicht die Krise überstanden und muss mit neuen Rückschlägen rechnen. Diese Warnung von Ministerpräsident Wen Jiabao hat trotz einer ersten konjunkturellen Erholung zu einem deutlichen Kurssturz an Chinas Leitbörse in Schanghai geführt. Der Index gab um mehr als 5 Prozent nach.

PEKING. Auch Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, erklärte in Peking, dass China trotz des Wachstums keinesfalls seine wirtschaftlichen Probleme gelöste habe. Die Exportnation werde sogar zu den Staaten in Asien gehören, die besonders stark von den Folgen getroffen werden. "Das weltweite Wachstum wird deutlich geringer ausfallen und so vor allem auf Nationen wie Taiwan, Malaysia und China einen dämpfenden Effekt haben", so Walter, der sich momentan auf einer mehrwöchigen Asienreise befindet. Und die viel zitierte Binnennachfrage sei nicht schnell zu schaffen: "Das lässt sich nicht über Nacht ankurbeln."

Ähnlich zitieren Chinas Medien Wen Jiabao: "Es gibt weiter eine Menge instabiler und ungewisser Faktoren", so der Regierungschef, "die wirtschaftliche Lage ist weiter sehr ernst." Er warnte ausdrücklich vor blindem Optimismus, nachdem in den vergangenen Wochen etliche Banker und Fondsmanager die Krise in China für beendet erklärt hatten. Auch wenn die Wirtschaft im 2. Quartal bereits um 7,9 Prozent gewachsen ist und für das 3.Quartal sogar ein Wert von über 8 Prozent angepeilt wird, sei das Wirtschaftswachstum der Volksrepublik noch immer instabil und keineswegs gefestigt.

Deutsche-Bank-Analyst Walter erteilte der großen China-Euphorie im Westen ebenfalls eine klare Abfuhr. "Zu glauben, das sinkende Wachstum in den USA könne durch die Entwicklung in China oder Indien kompensiert werden, ist kindisch", so Walter. Er sieht vor allem die Gefahr neuer Rückschläge ab dem Jahr 2011, wenn die staatlichen Konjunkturprogramme keine Wirkung mehr zeigen. Und noch immer liegt der Anteil des heimischen Konsums in China bei nur gut einem Drittel - In den USA ist er doppelt so hoch.

Der Deutsch-Banker geht von einem andauernden Auf und Ab der Wirtschaft ("ein doppeltes W") bei der wirtschaftlichen Entwicklung in den kommenden Jahren aus. Allerdings habe er um Chinas Wachstum weniger Sorge, so Walter, der zum letzten Mal vor seinem Ruhestand in der Funktion als Chefvolkswirt in Asien unterwegs ist. In den nächsten Jahren sei in China ein Zuwachs von rund 7 Prozent im Jahr zu erwarten, so Walter: "Das über zehn Jahre bedeutet schon wieder eine Verdopplung." Doch reicht das für das Riesenreich?

Premier Wen Jiabao erklärte , China müsse davon ausgehen, dass die weltweite Nachfrage nach chinesischen Exporten noch "für eine lange Zeit" schwach bleiben werde. Chinas Außenhandel ist seit Jahresbeginn um fast ein Viertel eingebrochen, ausländische Investitionen gingen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Fünftel zurück. Darum bleibe die "politische Unterstützung ein wichtiger Motor für das Wirtschaftswachstum", sagte Wen Jiabao. Die Regierung in Peking werde darum an ihrer "pro-aktiven" Finanzpolitik festhalten und die Geldpolitik angemessen lockern.

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