Konjunktur
Notenbanken schüren Rezessionsängste

Historische Leitzinssenkung in Großbritannien, drastischer Auftragseinbruch für die deutsche Industrie – selten waren die Zeichen für einen Konjunkturabschwung so deutlich. An den Finanzmärkten wurde der Zinsschritt in Großbritannien als Signal aufgenommen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ebenfalls eine deutlich stärkere Zinssenkung beschließen könnte. Doch sie wurden enttäuscht.

HB LONDON/BERLIN. In Europa stehen die Zeichen auf Rezession. Dafür sprechen der massive Zinsschritt der Bank von England sowie die drastisch gesunkenen Aufträge in der deutschen Industrie. Die britischen Notenbanker zogen angesichts einer tiefgreifenden Rezession die Reißleine. Sie senkten am Donnerstag die Zinsen um eineinhalb Prozentpunkte auf drei Prozent und damit so massiv wie seit der britischen Wirtschaftskrise zu Beginn der 90er Jahre nicht mehr.

Die Europäische Zentralbank (EZB) zog ihrerseits die Handbremse und verkündete ebenfalls eine Zinssenkung, allerdings nicht wie an den Finanzmärkten erhofft wurde, in ähnlicher Höhe wie die Bank von England. Wie die Währungshüter in Frankfurt am Donnerstag mitteilten, sinkt der Leitzins für die Euro-Zone um 50 Basispunkte von 3,75 auf 3,25 Prozent. Die EZB bekundete aber ihre Bereitschaft zu weiteren Zinssenkungen. Notenbank-Präsident Jean-Claude Trichet sagte, weitere Zinssenkungen seien möglich. „Ich schließe nicht aus, dass wir die Zinsen weiter senken.“ Z

Auch die Schweizer Nationalbank senkte den Leitzins für die eidgenössische Kreditwirtschaft um 50 Basispunkte auf zwei Prozent. Die drei wichtigsten Zentralbanken Europas folgten damit der Federal Reserve in den USA und den wichtigsten Notenbanken Asiens, die ihre Geldpolitik zuletzt ebenfalls kräftig gelockert hatten.

„Es hat sehr den Anschein, als wollten die Zentralbanken keine Zeit verlieren“, kommentierte UniCredit-Analyst Kornelius Purps die Zinsschritte. Derart aggressive Zinssenkungen signalisierten, dass die Zentralbanken äußerst besorgt über die konjunkturellen Aussichten seien. „Insofern scheint es weiterhin viel zu früh zu sein, um auf eine breite Stabilisierung oder gar Erholung der Finanzmärkte zu setzen.“



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