Konjunktur
Rekord-Stellenverlust in deutscher Industrie

Die deutsche Industrie hat im Februar so viele Arbeitsplätze wie seit mindestens 13 Jahren nicht mehr abgebaut. Vor allem die Bestellungen aus der Automobilbranche und dem Ausland sind zurückgegangen. Auch in anderen Ländern der Euro-Zone hat sich der Abschwung im Februar verschärft.

HB BERLIN. Die Firmen schränkten wegen der wegbrechenden Nachfrage ihre Produktion so stark ein wie noch nie, wie aus der am Montag veröffentlichten Markit-Umfrage unter 3000 Unternehmen hervorgeht. Die Firmen bauten ihre Lagerbestände ab und reduzierten die Zahl ihrer Mitarbeiter im Rekordtempo.

Der Markit-Einkaufsmanagerindex für Februar fiel auf 33,5 Punkte nach 34,4 Zählern im Januar und erreichte damit den tiefsten Stand seit Beginn der Umfrage vor elfeinhalb Jahren. „Die Daten sind eine Enttäuschung“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Der Abschwung schwächte sich in Deutschland, Spanien, den Niederlanden, Griechenland und Österreich etwas ab. In Frankreich, Irland und Italien ging es dagegen ungebremst nach unten.

In Deutschland vermieden viele Manager Entlassungen, indem sie weniger Zeitarbeiter beschäftigten und Kurzarbeit einführten, wie aus dem am Montag veröffentlichten Markit/BME Einkaufsmanagerindex für den Sektor hervorgeht. „Die Studie lässt vermuten, dass die Beschäftigung in der Industrie im ersten Quartal so schnell wie seit etwa 15 Jahren nicht mehr fallen wird“, sagte Markit-Volkswirt Tim Moore.

Die deutschen Firmen stellten erneut weniger her als im Vormonat, als sie die Produktion noch mit Rekordrate gedrosselt hatten. Der Produktionsrückgang ist aber erstmals seit neun Monaten abgebremst. Das Barometer stieg deswegen leicht auf 32,1 von 32,0 im Januar.

Zu schaffen machte den Firmen erneut die rückläufige Nachfrage. Vor allem die Bestellungen aus der Automobilbranche und dem Ausland seien zurückgegangen, ergab die Umfrage unter etwa 500 Managern. Darunter litten die Hersteller von Vorleistungen und Investitionsgütern mehr als die von Konsumprodukten. Steigender Wettbewerbsdruck gepaart mit verbilligtem Kraftstoff, Stahl und Basismetallen veranlasste die Unternehmen zudem, ihre Preise zum vierten Mal hintereinander zu senken. Die Lager wurden weiterhin schrittweise reduziert, wodurch sich die Lieferzeiten erheblich verkürzten.

Vom Abwärtstrend in der gesamten Euro-Zone waren alle drei Industriesektoren betroffen, wenn auch die Konsumgüterhersteller ihre Geschäfte etwas weniger stark zurückfuhren als die Produzenten von Investitions- und Vorleistungsgütern. Um ihren Absatz anzukurbeln, räumten die Firmen Preisnachlässe ein. Den vierten Monat in Folge gaben daher die Verkaufspreise nach. In allen Ländern der Euro-Zone mit Ausnahme Griechenlands war der Preisverfall so groß wie nie zuvor. Zugute kam den Unternehmen dabei, dass auch die Einkaufspreise kräftig nachgaben.

Die Euro-Zone steckt derzeit in der schwersten Rezession ihrer Geschichte. Im vierten Quartal brach die Wirtschaftsleistung um 1,5 Prozent ein. Weithin wird deswegen damit gerechnet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag ihren Leitzins für den Währungsraum auf das Rekordtief von 1,5 Prozent senken wird.

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