Konjunkturabkühlung
Weltwirtschaft entgeht der Rezession

Die Euro-Krise macht den Märkten weltweit zu schaffen. Doch eine weltweite Rezession fürchten die meisten Experten nicht. Der für das Handelsblatt erhobene Welthandelsindex deutet auf anhaltendes Wachstum hin.
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DüsseldorfIm Sommer 2012 hängt die globale Konjunktur in den Seilen: Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes sind weltweit seit Monaten auf dem Rückzug, und auch die ersten harten Wachstumszahlen für das zweite Quartal zeigen eine Abkühlung an. In China wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal nur noch um 7,6 Prozent im Jahresvergleich. Das ist zwar nach wie vor enorm, aber es ist auch der sechste Rückgang in Folge und die magerste Wachstumsrate seit drei Jahren.

In der Euro-Zone stehen die Zeichen auf Rezession. Selbst die lange Zeit so robuste deutsche Wirtschaft kühlt sich nun deutlich ab, wenn man den Frühindikatoren glaubt. Immer saftloser wird auch der Aufschwung in den USA: Die Amerikaner befürchten, dass egal welche Regierung das Land führt, sie notgedrungen ab Anfang 2013 einen Sparkurs einschlagen wird. Dabei hatte das Jahr für die Weltwirtschaft mit positiven Überraschungen angefangen. Der Aufschwung ebbte aber schon nach wenigen Monaten wieder ab.

Das rasche Auf und Ab der Weltwirtschaft stellt nach Einschätzung der Goldman-Sachs-Ökonomen Kamakshya Trivedi und Stacy Carlson ein neues Muster dar. "Die Zyklen der ökonomischen Aktivität sind kürzer geworden, Auf- und Abschwünge dauern nur noch Monate statt Jahre", schreiben sie. Zwei Faktoren machen sie dafür verantwortlich: Sobald sich die Wirtschaft belebe, stiegen die Öl- und Rohstoffpreise und würgten den Aufschwung wieder ab. Der Finanz- und Geldpolitik fehlten die Mittel, den Aufschwung zu stützen. Schließlich stehen die Leitzinsen in den Industriestaaten nahe null, und die überschuldeten Staaten erhöhen die Steuern und senken die Investitionen.

"Das vermeintliche Wirtschaftswachstum der Industrienationen hat sich wie bereits in den beiden letzten Jahren als Chimäre erwiesen", sagt Murat Ülgen, Volkswirt bei HSBC. Der Unterschied sei jedoch, dass diesmal auch das Wachstum in den großen Schwellenländern nachlasse. Das liege am Industriesektor, der unter einem Rückgang der Exporte nach Nordamerika und Europa leide. In Brasilien wird die Wachstumsrate laut HSBC auf 2,5 Prozent sinken, in Russland auf drei Prozent und in Indien auf unter sechs Prozent. Doch auch wenn die Weltwirtschaft abkühlt und die Euro-Zone eine Rezession durchläuft, ist eine globale Rezession nicht in Sicht. Europa werde im zweiten Halbjahr die Talsohle erreichen, sagt Stefan Schneider von der Deutschen Bank. Die Weltwirtschaft sieht er 2012 um 3,2 Prozent wachsen. Das stützt der Welthandelsindex, den die Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Markus Zschaber (V.M.Z.) monatlich exklusiv für das Handelsblatt aus Daten der Schiff- und Luftfahrt sowie des Schienen- und Straßenverkehrs berechnet. Der Index stieg im Juni von 60,2 auf 61,1 Punkte - Werte oberhalb von 50 zeigen eine Expansion an "Vor allem die Analyse der Lufttransportdaten suggeriert einen dynamischen Anstieg der Handelsaktivität", sagt Zschaber. "Das spricht eindeutig dafür, dass Unternehmen ihre Lagerbestellungen zwar noch kurz halten, allerdings nicht weiter reduzieren."

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom

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  • Sehr geehrter Herr Chefredakteur Stock,

    es freut mich zu hören, dass das Handelsblatt soviel Sachverstand und Kompetenz hat und über seinen Welthandels-index erklärt, dass die Sache gar nicht so schlimm ist. Da bin jetzt wirklich beruhigt, ehrlich !!!
    Vielleicht könnten Sie ja auch den ganzen Herren und Damen Eurorettern erklären, dass sie viel ruhiger schlafen können. Es ist ja nicht so schlimm.
    Wenn man weiss, dass bis Ende April 1945 die Mehrheit der deutschen Bevölkerung an den Endsieg geglaubt hat, wundert einen nichts mehr. @Findus: Aufgrund des Artikels ist jetzt wirklich Optimismus angesagt. Bitte bei Herrn Schäuble anrufen und weitersagen !!!
    An alle Ober- und Berufsoptimisten: Die Wirkung der Exponentialfunktion kommt gaaaanz langsam, aber unerbittlich. Yamas.

  • Seit 2008 wird der Euro-Kollapas für 2011-2013 vorhergesagt. Bis jetzt haben sich ALLE Vorhersagen diesbezüglich bestätigt.

    Träumen hilft jetzt nicht mehr - jetzt ist Realismus gefragt um schlimmeres zu verhindern.


  • Lieber Karsten,
    Sie sind wohl ein Schwarzseher ohne gleichen...
    Wie lange wird uns das Ende des Euros schon vorhergesagt?
    Die Welt wird sich immer weiter drehen. Sind Sie nicht froh Kleidung, Essen und Wohnung zu haben? Bitte etwas mehr Optimismus !

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