Konjunkturentwicklung
Japan steht vor einer Rezession

Die Unternehmensgewinne gehen zurück, Investitionen brechen ein – es steht nicht gut um Japans Wirtschaft. Doch die miesten Experten rechnen nach einem harten ersten Halbjahr mit einer Erholung in der zweiten Jahreshälfte.

TOKIO. Die Anzeichen für einen Durchhänger der japanischen Wirtschaft zumindest in der ersten Jahreshälfte mehren sich. So fielen die Investitionen im vierten Quartal 2007 um 7,7 Prozent, wie das Finanzministerium in Tokio mitteilte. „Die Daten weisen darauf hin, dass das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts für den Zeitraum Oktober bis Dezember kräftig nach unten revidiert werden muss“, sagt Ökonom Naoki Murakami von Goldman Sachs. Die Regierung hat bisher ein Wachstum von 0,9 Prozent im Quartal angenommen, wird aber vermutlich auf 0,5 Prozent heruntergehen müssen. Der Wirtschaft drohe nun eine Rezession, zumal auch die Unternehmensgewinne deutlich zurückgingen, so Murakami.

Eine Mehrheit von Ökonomen erwartet ein schweres erstes Halbjahr für Japans Wirtschaft, rechnet jedoch für die zweite Jahreshälfte mit einer Aufhellung. „Im laufenden Quartal dürfte das Wachstum um Null Prozent liegen, die Konjunktur hängt sichtbar durch“, sagt Mikio Wakatsuki, Vorstand von Axa Japan. Schuld seien der hohe Ölpreis und die US-Kreditmarktkrise, die das Exportgeschäft verhagelt und die Aktienkurse drückt. Dazu kommt, dass eine Verschärfung der Richtlinien für die Gebäudesicherheit die Baunachfrage einbrechen ließ. „Doch gerade die Bautätigkeit normalisiert sich bereits wieder, und auch für den Export ist in den kommenden Monaten eine Verbesserung zu erwarten“, so Wakatsuki.

Japan befinde sich an einem Wendepunkt, urteilt Takahide Kiuchi von Nomura Securities. Zwar müssen die Konsumenten Preissteigerungen verkraften, die er „schlechte Inflation“ nennt. Doch andererseits sei dies ein Zeichen dafür, dass sich die Firmen wieder trauen, Preissteigerungen an Kunden weiterzugeben. „Die schlechte Inflation könnten einfach Geburtsschmerzen für einen Normalisierungsprozess sein“, so Kiuchi. Japans Wirtschaft befinde sich nach 15 Jahren deflationärer Tendenzen am Rande normaler Preisstrukturen, in denen der Anstieg von Preisen wie Löhnen dem herkömmlichen Muster folge. Für die ersten beiden Quartale 2008 erwartet auch Kiuchi nachlassendes Wachstum, danach könne es durchaus wieder anziehen. Dennoch sieht auch er die Möglichkeit, dass die Konjunktur entgleist und die längste Wachstumsperiode der Nachkriegsgeschichte endet.

Ein echtes Problem sei, dass die Wirtschaftspolitik keinen Raum für Bewegungen habe, sagt Wakatsuki von Axa. Der Leitzins der Notenbank liege mit 0,5 Prozent bereits sehr niedrig. Es sei derzeit nicht weise, ihn zu senken, wie Politiker fordern. „Das würde gar nichts bringen.“ Auch auf der Fiskalseite gebe es nur wenig Möglichkeiten, da die Steuern niedrig und die Staatsschulden hoch seien. Zusätzliche Gefahr drohe von der Überalterung der Gesellschaft, die die Sozialsysteme fordere. Ein gutes Zeichen sei aber die fortschreitende Abkopplung Japans von den schwächelnden USA, sagt Wakatsuki.

Doch sei Japan immer noch weit stärker von Amerika abhängig, als Politik und Wirtschaft sich das wünschten. Vor allem die Nachfrage nach Informationstechnik sei parallel zum US-Wachstum gesunken. Unterm Strich werde die Produktion von Januar bis März so stark zurückgehen wie seit einer Wirtschaftskrise im Jahr 2001 nicht mehr. Das wiederum entspricht den abnehmenden Kapitalinvestitionen des Vorquartals. „Solange die Unternehmensgewinne fallen und Sorgen um Überseemärkte zunehmen, werden die Investitionen schwach bleiben“, prophezeit Yuichi Kodama von der Lebensversicherung Meiji Yasuda.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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