Konjunkturerholung in Sicht
Trichet übt sich in Optimismus

Nach langer Talfahrt wird es in der Euro-Zone nach Ansicht von EZB-Chef Jean-Claude Trichet erst 2010 wirtschaftlich wieder etwas bergauf gehen. Zugleich trat er Befürchtungen entgegen, die europäische Währungsunion könnte in der Finanzkrise in Turbulenzen geraten.

HB PARIS. „Die Erholung im Laufe des kommenden Jahres wird wahrscheinlich moderat ausfallen“, sagte der EZB-Präsident der Pariser Robert Schuman-Stiftung in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview. In den kommenden Quartalen sei jedoch noch mit einer anhaltenden Schwäche der Wirtschaft zu rechnen. Bereits zuvor hatte er in einem Rundfunkinterview von einem „sehr, sehr schwierigen Jahr 2009“ gesprochen. Zugleich werde die Teuerung dieses Jahr zeitweise auf ein sehr niedriges Niveau absinken, prognostizierte der Notenbank-Chef.

Die EZB hatte ihren Leitzins Anfang des Monats auf ein Rekordtief von 1,5 Prozent gesenkt. Wirtschaftsexperten erwarten eine weitere Reduzierung auf 1,0 Prozent, die wahrscheinlich im April folgen wird. Trichet hatte jüngst bekräftigt, die Zentralbank prüfe darüber hinaus auch weitere unkonventionelle Maßnahmen, sollten diese notwendig werden. Einen Kurswechsel zu einer Geldpolitik der quantitativen Lockerung, bei der die EZB nach dem Vorbild anderer Zentralbanken die Geldmenge aufblähen würde, lehnt er indes ab. „Wir sind der Meinung, dass eine Nullzinspolitik eine Reihe von Nachteilen mit sich bringt“, sagte Trichet der Schuman-Stiftung.

Zugleich trat er Befürchtungen entgegen, die europäische Währungsunion könnte in der Finanzkrise in Turbulenzen geraten. „Die Euro-Zone ist äußerst solide. Ich vertraue darauf, dass die Mitgliedsländer ihrer Verantwortung nachkommen - das gilt auch für die Haushaltspolitik“, sagte Trichet. Zuvor hatte Bundesbank-Chef Axel Weber Spekulationen über einen Zahlungsausfall von Ländern der Euro-Zone zurückgewiesen. In dem Währungsraum müssen von der Finanzkrise stark getroffene Staaten wie Irland und Griechenland für ihre Staatsanleihen weit höhere Zinsen als Deutschland anbieten, um sich am Kapitalmarkt Geld zu leihen. Hinter der Vorsicht der Anleger steht die Furcht, dass die Haushaltsdefizite dieser Staaten explodieren und der Bestand der Euro-Zone in Gefahr geraten könnte.

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