Konjunkturflaute
US-Einzelhandel macht weniger Umsatz als erwartet

Das hat es seit der Krise 2008 nicht mehr gegeben: Der Umsatz im US-Einzelhandel ist den dritten Monat in Folge zurückgegangen. Mit der US-Wirtschaft geht es weiter bergab.
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WashingtonEs ist ein weiterer Schlag für die bereits taumelnde US-Wirtschaft: Der Umsatz im Einzelhandel ist im Juni abermals geschrumpft. Wie das Handelsministerium am Montag mitteilte, sind die Verkäufe insgesamt um 0,5 Prozent auf 401 Milliarden Dollar zurückgegangen. Analysten hatten in einer Umfrage der Nachrichtenagentur Dow Jones im Schnitt mit einem Minus von nur 0,2 Prozent gerechnet.

Der Rückgang betrifft fast alle Konsumgüter, die Autoverkäufe waren mit einem Minus von 0,6 Prozent besonders betroffen. Es ist das erste Mal seit der Krise 2008, dass die Einzelhandelsumsätze drei Monate in Folge rückläufig waren. Kleiner Trost für die US-Verbraucher: Wegen der niedrigen Spritpreise gaben sie im Juni 1,8 Prozent weniger an der Tankstelle aus. Das lässt mehr Geld für andere Güter übrig.

Anfang des Jahres hatte es noch so ausgesehen, als dass die US-Verbraucher wieder spendierfreudiger sein würden. Doch angesichts einer mit 8,2 Prozent noch immer hohen Arbeitslosigkeit, drohenden Steuererhöhungen, niedrigen Hauspreisen und Unsicherheiten wegen der Eurokrise halten die Amerikaner nun offenbar verstärkt ihr Geld zusammen. Entsprechend ist das Verbrauchervertrauen im Juni und Juli auf den niedrigste Stand seit Dezember 2011 gefallen.

Für die US-Konjunktur sind solche Tendenzen fatal: Die Wirtschaftsleistung beruht zu rund 70 Prozent auf dem Konsum. Die Notenbank Fed hatte kürzlich gewarnt, dass die Nachfrage nicht ausreiche, um für nachhaltiges Wachstum zu sorgen. Die Unternehmen machen geringere Umsätze, erhalten weniger Aufträge und investieren weniger und schaffen deshalb kaum neue Stellen – ein Teufelskreis. Im Juni hatte die Fed ihren Ausblick für das Wachstum in diesem Jahr von 2,4 auf 1,9 Prozent gesenkt.   

Auch der Internationale Währungsfonds hatte am Mittwoch Alarm geschlagen. Die Erholung sei allenfalls „lau“, schrieben die IWF-Experten in ihrem Jahresbericht, das Wachstum bleibe mit geschätzten 2 Prozent für 2012 und 2,25 Prozent für 2013 „verhalten“.

Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik

Kommentare zu " Konjunkturflaute: US-Einzelhandel macht weniger Umsatz als erwartet"

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  • Kapitalismus am Ende !
    Das Wirtschaftssystem, das Natur, Menschen und deren Seele gnadenlos auffrisst, geht - zum Glück - an seiner eigenen Gier zugrunde.
    Ist doch ein Grund zu feiern !

  • Gesundbeten hilft in den USA genauso wenig wie in der €-Zone. Die Zahlen geben am Ende den Ausschlag, und das unerbittlich. Hier wie dort will die Politik die Zeichen an der Wand aber nicht sehen.
    Fasten your seat belt!

  • Liegt vielleicht an den 50mil Menschen auf Essensmarken, den Millionen von Familien in Zeltstädten und der hohen Arbeitslosenzahl.

    Mich wundert es, dass es in den USA noch keine großen Ausstände gibt - oder hören wir davon einfach nicht - wie aus Spanien?

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