Konjunkturprognose
DIHK erwartet 2009 Rezession in Deutschland

Exportschwäche, verschobene Investionspläne und Hoffungslosigkeit - das ist das Fazit einer Unternehmens-Umfrage, die der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) durchgeführt hat. Angesichts dieser Befunde sieht der DIHK die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr erheblich schrumpfen. Gleichwohl warnt er vor zuviel Pessimismus.

HB BERLIN. Die deutschen Unternehmen stellen sich auf rückläufige Exporte ein und schieben Investitionen auf die lange Bank. Binnen weniger Wochen hätten sich viele Exporthoffnungen für wichtige Absatzregionen der deutschen Wirtschaft zerschlagen, teilte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) am Dienstag nach seiner Blitzumfrage unter 1200 Unternehmen mit. "Die konjunkturelle Abkühlung wird vor allem über die Eintrübung des außenwirtschaftlichen Umfeldes nach Deutschland getragen", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Für 2009 sei deswegen mit einer Rezession in Deutschland und einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent zu rechnen. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte im Jahresschnitt um etwa 150.000 steigen.

DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier warnte jedoch vor allzuviel Pessimismus. "Der Ausblick für 2009 ist nicht so schlecht, wie es diese Revision glauben machen will", sagte er. Noch im Oktober war der DIHK für das kommende Jahr von einem Wachstum von 0,5 Prozent ausgegangen. Es bestünden gute Chancen, dass das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte anziehen könnte. "Die ersten beiden Quartale werden aber schwierig", sagte Treier. Der Verband ist damit optimistischer als die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die 2009 mit einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,9 Prozent rechnet. Die Bundesregierung erwartet derzeit im kommenden Jahr noch ein Wachstum von 0,2 Prozent.

Die Exportschwäche veranlasse viele deutsche Betriebe, ihre bis dato großen Investitionspläne zu überdenken, sagte Wansleben. Er verwies auf die Finanzkrise und die Konjunkturabkühlung, welche ein echtes Problem seien. "Wir haben aber auch erhebliche Einflüsse der Krisendiskussion", fügte er an. "Wir rufen dazu auf, nicht aus Prinzip die Krise herbeizureden." Sollte sich der Nebel der jüngsten Marktturbulenzen lichten, würden viele der binnen weniger Wochen auf Eis gelegten Investitionsvorhaben wieder angegangen, hieß es in der Umfrage. Die Firmen klagten über schlechtere Kreditkonditionen, zumeist über höhere Zinsen. "Wir haben aber keine generelle Kreditklemme", sagte Wansleben. Bei sechs Prozent der Firmen wurden demnach Kredite abgelehnt - bei der September-Umfrage waren es nur zwei Prozent. Besonders betroffen seien kleine Betriebe mit bis zu zehn Mitarbeitern sowie Großunternehmen.

Die Verschärfung der Kreditkonditionen sei teilweise eine normale Reaktion in Zeiten der Konjunkturabkühlung, erklärte der DIHK. Die Banken müssten den eingetrübten Geschäftsaussichten Rechnung tragen. Allerdings sei sowohl die Zahl der Firmen, die über bessere Bedingungen berichteten, als auch der Unternehmen,bei denen Kredite abgelehnt wurden, gestiegen. Das sei Ausdruck einer höheren Risikosensibilisierung der Banken. "Damit geht freilich von den Banken ein geringerer konjunktur- stabilisierender Effekt aus als früher", hieß es.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%