Konjunkturprognosen
OECD gibt vorsichtige Entwarnung

Befeuert von der raschen Erholung der Weltkonjunktur mehren sich die Zeichen, dass auch die Wirtschaft in der Euro-Zone bald wieder Fahrt aufnehmen könnte. Neben Wirtschaftsinstituten sieht auch die OECD einige Lichtblicke und hebt die Konjunkturprognose für Deutschland kräftig an.
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PARIS/DÜSSELDORF. Die Stimmung der Einkaufsmanager hellte sich im August den sechsten Monat in Folge auf. Der Gesamtindex sei von 47 Punkten im Vormonat auf 50,4 Punkte gestiegen, teilte das Forschungsunternehmen Markit in London mit. Der Index gilt als zuverlässiger Frühindikator; erstmals seit Mai 2008 sprang er wieder über die Expansionsschwelle von 50 Punkten.

Deutschland und Frankreich geben bei der wirtschaftlichen Erholung den Takt an. Den deutlichen Anstieg der Landesbarometer der beiden größten Euro-Volkswirtschaften deutete Bankvolkswirt Neville Hill von Credit Suisse als Zeichen dafür, dass die Wirtschaft im dritten Quartal wieder in Schwung kommt. Grund sind vor allem die kräftigen Konjunkturspritzen rund um den Globus und das neu entfachte Wachstum in den großen Schwellenländern.

Nachdem Deutschland als Exportnation unter dem Konjunktureinbruch im Winterhalbjahr besonders gelitten hat, könnte es von einem Aufschwung überdurchschnittlich profitieren. Der Chefvolkswirt der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Jorgen Elmeskov, geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal deutlich an Fahrt gewinnen wird. Das Berliner DIW erwartet einen Zuwachs von 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal - das wäre die beste Zahl seit dem Winter 2008.

Die OECD hob denn auch ihre Konjunkturprognose für Deutschland kräftig an: Die Wirtschaftsleistung werde 2009 lediglich um 4,8 Prozent schrumpfen und nicht wie bisher angenommen um 6,1 Prozent. "Die Erholung hat an Dynamik gewonnen, Rückschläge sind aber nicht auszuschließen", sagte Elmeskov in Paris. "Auf lange Sicht rechnen wir mit einem langsamen Anziehen der Wirtschaft, nicht mit einer schnellen Erholung."

OECD-Experte Elmeskov nannte vier Faktoren, die sich in den vergangenen Monaten positiv auf die Wirtschaftslage der G7-Staaten ausgewirkt hätten: Die Lage an den Finanzmärkten habe sich verbessert, zum Zweiten hätten sich die Immobilienmärkte in den USA und Großbritannien stabilisiert; darüber hinaus hätten Unternehmen schneller die Produktion gekürzt, als die Nachfrage gefallen ist. Damit seien die Vorräte stark gesunken. "Der Prozess kann nicht ewig so weitergehen", sagte Elmeskov. Und als vierten Faktor verwies er auf die robuste Wirtschaftslage in Ländern wie China, wo die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 14 Prozent gestiegen war; die Stimmung der chinesischen Einkaufsmanager erreichte im August den höchsten Stand seit 16 Monaten.

Der Internationale Währungsfonds deutete an, seine globale Wachstumsprognose für 2010 auf "knapp unter drei Prozent" zu erhöhen. Eine offizielle Mitteilung ist für den 1. Oktober vorgesehen. Im Sommer hatte die internationale Finanzorganisation lediglich 2,5 Prozent Wachstum erwartet.

Freilich profitieren nicht alle G7-Staaten gleichermaßen von der voranschreitenden Genesung der Weltwirtschaft: So senkte die Organisation ihre Vorhersage für Großbritannien gar auf nunmehr minus 4,7 Prozent; für die USA blieb die Prognose unverändert, und für Kanada und Italien wurde der Ausblick nur leicht angehoben.

Vor allem die unterschiedlichen Entwicklungen innerhalb der Euro-Zone bereitet Volkswirten zunehmend Kopfschmerzen. Es sei beunruhigend, dass sich Frankreich und Deutschland besser regenerierten als Italien, Spanien und Irland, sagte Markit-Experte Rob Dobson. Geldpolitische Entscheidungen zu treffen sei dadurch schwieriger. Die OECD empfahl, die "Normalisierung der niedrigen Zinsen bis weit ins Jahr 2010" zu verschieben.

Gemischte Signale kamen aus den USA. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sank zwar in der vergangenen Woche, allerdings nicht so deutlich wie erhofft. Die Zahl sei um 7 000 auf 570 000 zurückgegangen, teilte das Arbeitsministerium mit. Volkswirte hatten 560 000 Erstanträge erwartet. Dagegen verbesserte sich die Stimmung im wichtigen US-Servicesektor. Der Einkaufsmanager-Index stieg im August von 46,4 auf 48,4 Punkte; Ökonomen hatten lediglich 48,0 Punkte erwartet.

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