Konsumklima sinkt
Hohe Spritpreise vermiesen die Kauflaune

Die stark gestiegenen Benzinpreise drücken die Laune der deutschen Konsumenten. Das GfK-Konsumklima für April sinkt leicht. Die Verbraucher werden skeptischer.
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BerlinTeures Tanken bremst die Kauflaune der Deutschen: Das für April errechnete GfK-Konsumklima sank um 0,1 auf 5,9 Punkte und damit erstmals nach sechs Anstiegen in Folge. „Rekordstände für Benzin und Diesel an den Zapfsäulen haben im März in den Köpfen der Konsumenten ihre Spuren hinterlassen“, erklärten die GfK-Marktforscher am Dienstag zu ihrer Umfrage unter rund 2000 Verbrauchern.

Während die Bürger die Konjunktur wieder besser bewerten und weiter größere Einkäufe machen wollen, schätzen sie ihre künftigen Finanzen etwas schlechter ein. Trotz des ersten Rückgangs beim Konsumklima seit August 2011 gehen die Marktforscher davon aus, dass die Menschen mit ihren Ausgaben die Wirtschaft ankurbeln und Deutschland damit vor einem Rückfall in die Rezession bewahren.

Trotz der Konjunkturflaute hatte sich das Konsumklima in den vergangenen Monaten stetig aufgehellt und vom stabilen Arbeitsmarkt und von der Aussicht auf höhere Einkommen profitiert. Das teure Tanken gilt aber zunehmend als Risiko für die Konjunkturerholung. „Die Konsumenten, und hier in erster Linie die Berufspendler, sehen ihre Kaufkraft durch die hohen Preise gefährdet“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. „Ein immer größerer Anteil ihres verfügbaren Einkommens muss derzeit für Energie und Sprit aufgewendet werden.“ Wegen der anziehenden Kraftstoffpreise stieg im Februar bereits die Inflationsrate in Deutschland von 2,1 auf 2,3 Prozent. Das Kieler IfW-Institut geht davon aus, dass die Verbraucherpreise im laufenden Jahr durchschnittlich um 2,5 Prozent zulegen.

Verbraucherstimmung in Deutschland

GfK-Konsumklima-Index

von Mai 2012 bis Mai 2013 und Prognose für Juni 2013 (Punkte)

Die vom GfK errechnete Einkommenserwartung der Konsumenten sank im März um sieben auf 34,3 Punkte. Ein weiterer Grund für den Rückgang sei, dass sich bei den Tarifverhandlungen noch nicht abzeichne, mit welchen Lohn- und Gehaltserhöhungen die Arbeitnehmer dieses Jahr rechnen könnten. „Diese Unsicherheit trägt sicherlich nicht dazu bei, den Einkommensoptimismus zu fördern.“ Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi versucht derzeit - auch mit Warnstreiks - Gehaltsforderungen von plus 6,5 Prozent für den öffentlichen Dienst des Bundes und der Kommunen durchzusetzen. Die IG Metall will für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie ebenfalls 6,5 Prozent mehr Lohn herausholen.

Optimistischer zeigten sich die Verbraucher zur weiteren Wirtschaftsentwicklung. Ihre Konjunkturerwartung kletterte leicht um 1,3 auf 7,2 Punkte. Dies dürfte nach GfK-Ansicht mit dem Abschluss des zweiten Rettungspaketes für Griechenland zusammenhängen. Zudem ist der Optimismus der deutschen Unternehmen nahezu ungebrochen, das Ifo-Geschäftsklima verbesserte sich im März den fünften Monat in Folge.
Die Bereitschaft der Konsumenten zu größeren Einkäufen blieb fast unverändert. Die Anschaffungsneigung verlor nur 0,6 auf 38,6 Punkte. Die GfK-Experten sprachen dennoch von einem „sehr hohen Niveau“. Vor allem die sinkende Arbeitslosigkeit und die steigende Beschäftigung seien eine „wesentliche Stütze der Kauflust“.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • wollt ihr uns für blöd erklären !!!!!!!!
    was ist mit
    Aussetzung von Mehrwert oder Mineralölsteuer
    das zeigt mir wie schamlos unsere Regierung ist.....sowas gehört abgewählt alle wie sie sind !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  • Wir nähern uns Ostern und die Spritpreise steigen trotz sinkenden Rohölpreis. Sie bekommen den Hals nicht voll.

  • Die Wirtschaft oder Ökonomie ist die Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die der Deckung des menschlichen Bedarfs dienen. In unserer momentanen Gesellschaft merkt niemand, dass wir einen Kreislauf haben, d. h. bei steigenden Spritpreisen steht weniger Geld für die Deckung des Grundbedarfs zur Verfügung bzw. kann nicht gedeckt werden. Dazu kommen weitere Erhöhungen in den anderen Industrien und Dienstleistungen, weil sie auch darauf angewiesen sind. Die Auswirkungen werden wir bald merken : der Autoverkauf wird sinken, die Zulieferbetriebe werden ihre Produktion zurück fahren, es werden die Preise steigen, die Menschen werden weniger fahren usw. ... Wahrscheinlich wird wieder dagegen gesteuert. Davor haben aber die Konzerne die Gewinne verteilt und dem Kreislauf entzogen. Wir sind in dem uns gewohnten Kreislauf!!! Insolvenzverschleppung! Weil systemrelevant. Da die Wirtschaft aber nicht auf die menschlichen Bedürfnisse ausgerichtet ist, sondern auf die Konzerne, die Selbständigen, die Gutverdienenden (Wissenschaftler, Beamte usw.) und nicht auf das normale Leben, werden die Menschen wieder Abstriche hinnehmen müssen. Die Menschen, die nichts haben, sind nicht immer nur zu doof und zu faul und wollen es nicht anders, sondern ihnen fehlen die Möglichkeiten. Jeder Unternehmer weiß, dass eine Wirtschaft ohne Menschen nicht geht und nicht nur die angeblich Klugen und Fleißigen Anspruch darauf haben, davon zu profitieren.--- Wir schaffen lieber Armut. Diese Menschen machen den Staat nicht arm.

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