Vereinigte Arabische Emirate
Mehr als 1001 Nacht

Die reichen Emirate am Golf haben die Krise zu spüren bekommen. Doch ihre Strategie weg vom Öl ist intakt. Die Herrscher haben verstanden, dass die strikte Luxus-Ausrichtung nicht funktioniert und investieren stärker in die Bildung der Einheimischen. Auch deshalb sind die Wachstumspläne mehr als nur Träume.

BERLIN. "Do buy in Dubai", lautete der offizielle Slogan des Emirats, als ich es Anfang der Neunzigerjahre zum ersten Mal bereiste. Und meine Mitreisenden, russische Händler, erklärten mir, dass die Qualität ihres Hotels nicht davon abhänge, wie groß und komfortabel die Zimmer seien, sondern wie viel Platz die Lagerhallen böten. Die Händler pendelten damals zwischen Russland und Dubai, um per Luftfracht das Verlangen ihrer gerade kapitalistisch umgekrempelten Heimat nach Kühlschränken und Heizlüftern zu stillen. Die umgeschulte Lehrer und Professoren nannten sich "Tschelnoki", wie die unermüdlich hin- und herflitzenden Schiffchen der großen Webmaschinen.

In den frühen Neunzigern spielte sich das kommerzielle Leben vor allem im Dubaier Stadtviertel Deira ab, am Nordostufer des 14 Kilometer in die Wüste reichenden Meeresarms, in seinen Goldläden und Einkaufszentren. Die andere Seite, Bur Dubai, endete hinter dem Emir-Palast recht bald im Wüstenstaub.

Doch schon wenige Jahre später umfasste das "Do buy in Dubai" auch wilde Immobilienprojekte: Die Zeitungen waren voll mit bunten Zeichnungen wildester Hochhäuser und nur wenige glaubten je an deren Bau. Seither wurde nicht nur die Sheikh Zayed Road als Schnellstraße 52 Kilometer weit bis zum Nachbaremirat Abu Dhabi in die Wüste asphaltiert. An ihr entstanden wie im Zeitraffer ein ganzer Finanzdistrikt, Hotel-Hochhäuser, Einkaufszentren mit Ski-Abfahrtspisten im Keller, das mit 828 Meter höchste Gebäude der Welt (Burj Khalifa) und zuletzt eine Metro-Linie. Künstliche Inseln wuchsen in den Persischen Golf hinein, in Form einer Palme oder einer Weltkugel.

Der Pleitegeier kreist über dem verrückten Glitzer-Emirat

Doch seit der Pleitegeier über dem verrückten Glitzer-Emirat kreist, ist der Traum vom grenzenlosen Boom jäh gestoppt. Nur dank der Hilfe des großen Bruders Abu Dhabi konnte Dubai den Offenbarungseid vermeiden. Tausende teuer angeworbener und hoch bezahlter Bauingenieure, Projektleiter, Investmentbanker und Dozenten lernten die Kehrseite der traditionellen arabischen Gastfreundschaft kennen: Erst ist der Job weg und Tage später die Aufenthaltsgenehmigung. Bauarbeiter aus Bangladesch, Indien oder Pakistan werden gleich flugzeugweise abgeschoben.

Der Wettlauf der reichen Scheichtümer am Golf ist damit aber keineswegs beendet. Abu Dhabi, das größte und mit Abstand ölreichste der Vereinigten Arabischen Emirate, hat sich vom Glitzer-Fieber anstecken lassen. Noch exklusivere Hotels, eine Formel 1-Rennstrecke und sogar die arabische Dependance des Louvre sollen den verunglückten Nachbarn überstrahlen. Durch Zuwanderung soll die Hauptstadt der Emirate binnen dreier Jahrzehnte ihre Einwohnerzahl von einer auf vier Millionen steigern.

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