Ländertrend
Höhere Energiepreise treiben deutsche Inflation an

Der hohe Ölpreis und der späte Ferienbeginn haben die deutsche Inflation im August nach jüngsten Daten aus den Bundesländern unerwartet deutlich anziehen lassen. Befürchtungen eines Preisanstiegs durch die Hitzewelle traten nicht ein.

Reuters BERLIN. Steigende Energiepreise trieben die Jahresinflation in mehreren deutschen Bundesländern im August deutlich nach oben. Dieser Trend, den Daten aus drei Ländern bereits am Freitag signalisiert hatten, wurde am Montag durch Veröffentlichungen aus Bayern und Brandenburg bestätigt. Die späten Sommerferien waren nach Ansicht von Analysten der Grund für höhere Preise im Freizeitbereich. Pauschalreisen kosteten etwa in Baden-Württemberg, Bayern und Brandenburg gut zwei Prozent mehr als 2002. Die Inflation dürfte nach Ansicht von Volkswirten schon bald wieder zurück gehen.

Auf Basis der Preisdaten aus sechs Bundesländern berechnet das Statistische Bundesamt die vorläufige gesamtdeutsche Teuerung, die voraussichtlich noch im Laufe des Tages veröffentlicht wird.

Teilweise deutlicher Anstieg der Jahresinflation

In einigen Bundesländern stieg die Jahresteuerung deutlich: In Hessen erreichte sie erstmals seit Februar wieder die Ein-Prozent-Marke. Auch in Sachsen, Baden-Württemberg und Brandenburg stieg die Jahresteuerung, lediglich in Bayern blieb sie auf dem Niveau von Juli. Mehrere Volkswirte hatten sich bereits bei Veröffentlichung der ersten Daten am Freitag überrascht geäußert, da die Preise im August üblicherweise durch Saisoneinflüsse sinken.

Von Reuters befragte Analysten hatten vor Bekanntgabe der ersten Daten für Gesamtdeutschland lediglich einen minimalen Anstieg der Jahresteuerung auf 1,0 Prozent von zuletzt 0,9 Prozent prognostiziert. Jetzt gehen sie von einem deutlicheren Anstieg aus.

Für Preisdruck sorgte vielerorts das teure Rohöl: Die sächsischen Autofahrer beispielsweise mussten im August gut zwei Prozent mehr für eine Tankfüllung bezahlen als im Juli und fünf Prozent mehr als vor einem Jahr. Weil Öl in der Regel in Dollar abgerechnet wird, trug damit auch der zuletzt stark gesunkene Euro zum Preisanstieg bei. Als Preistreiber neben den hohen Ölpreisen erwies sich der Tourismus, wo sich vor allem Pauschalreisen verteuerten.

Da dieser Ferien-Effekt vorübergehend sein sollte und der Wirtschaftsaufschwung noch auf sich warten lässt, erwarten Analysten weiter geringe Inflationsraten. „In den kommenden Monaten ist eher wieder mit einer niedrigeren Teuerungsrate zu rechnen“, schreiben die Analysten der Commerzbank.

Hitzewelle hinterlässt kaum spuren in der Statistik

Die jüngste Hitzewelle in Deutschland und Europa hatte nicht die befürchtete Wirkung auf die Preise von Lebensmitteln. In den Bundesländern gingen die Preise für Obst und Gemüse im Vergleich zum Vormonat deutlich zurück. Obst konnten die Menschen vielerorts bis rund zehn Prozent günstiger bekommen als im Juli. Gemüse verbilligte sich in Sachen und Bayern um etwa sechs Prozent und in Brandenburg um gut vier Prozent. Volkswirte hatten zuletzt wiederholt darauf verwiesen, viele Obst- und Gemüsesorten, die besonders von der Hitze betroffen waren, würden von den Statistikern bei der Inflationsberechnung gar nicht erfasst.

Teureres Erdöl war auch der Grund für den ersten Anstieg der Einfuhrpreise seit Februar. Die Importe verteuerten sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes von Juni auf Juli um 0,2 Prozent. „Damit geht der in den vergangenen Monaten vom Außenhandel ausgehende dämpfende Effekt auf die Verbraucherpreise zunächst zu Ende“, schreiben die Commerzbank-Analysten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%