Leitzins bleibt bei 4,0 Prozent
Finanzmarktkrise bringt EZB vom Kurs ab

Die wochenlange Krise an den Finanzmärkten hat die Europäische Zentralbank vom Kurs abgebracht. Obwohl Europas Wirtschaft brummt, hat der EZB-Rat die ursprünglich erwartete Zinserhöhung erst einmal fallengelassen. Die Währungshüter stecken in einem Dilemma. EZB-Präsident Trichet gab sich entsprechend verschlossen.

HB FRANKFURT. Der Leitzins für Euroland bleibt bei 4,0 Prozent. Der Rat der Europäischen Zentralbank beschloss auf seiner turnusmäßigen Sitzung am Donnerstag in Frankfurt am Main, die Zinsen unverändert zu lassen. Damit setzte die Notenbank ihre Absicht zu einer Leitzinserhöhung, die Präsident Jean-Claude Trichet vor einem Monat signalisiert hatte, nicht um. Hintergrund ist die Krise an den Kreditmärkten, die bereits zu Rettungsaktionen für zwei deutsche Banken geführt hat.

„Die Finanzmärkte sind nachhaltig verunsichert, es sind längst nicht alle Risiken offengelegt“, sagt Prof. Winfried Fuest vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Die Gefahr, dass die Finanzkrise auf die Realwirtschaft überschwappe, sei nicht gebannt. Daher müsse die Notenbank abwarten, bis mehr Klarheit herrsche. „Die EZB darf in dieser Situation nicht noch einen obendrauf setzen und den Zinssatz nach oben schleusen“, sagt der Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer. „Wenn die Kreditklemme sich auf die Realwirtschaft überträgt, würden wir in eine Rezession rutschen.“ Bislang gibt es aber noch keine Anzeichen dafür, dass Banken weniger Kredite an Verbraucher und Unternehmen vergeben.

EZB-Präsident Trichet gab sich in der Pressekonferenz nach dem heutigen Zinsentscheid ungewohnt verschlossen über die weiteren Schritte der Währungshüter. "Wegen der hohen Unsicherheit an den Finanzmärkten sind zusätzliche Daten notwendig, bevor Schlussfolgerungen für die Geldpolitik gezogen werden können“, sagte er. Trichet wies darauf hin, dass er das Schlüsselwort „starke Wachsamkeit“ ausdrücklich vermieden habe. Dieses Codewort hatte der Präsident bislang vor einer Zinserhöhung im nächsten Monat verwendet.

Zugleich attestierte Trichet dem Euroraum anhaltend gute Wachstumsaussichten. Vor diesem Hintergrund befinde sich die Geldpolitik weiterhin auf der akkommodierenden Seite, erklärte der EZB-Präsident.

Die Industrieländerorganisation OECD sieht dagegen durchaus Grund zur Sorge und fürchtet gravierende Auswirkungen der US-Immobilienkrise auf die Wirtschaft. Sie korrigierte ihre Wachstumsprognose auch für Deutschland für 2007 von 2,9 auf 2,6 Prozent nach unten.

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