Leitzinsen in den USA bleiben unverändert
Fed sorgt sich weiter um die Inflation

Die Hauptsorge der US-Notenbank gilt weiterhin der Inflationsgefahr. Obwohl die Federal Reserve (Fed) am Dienstag auf eine "substanzielle Abkühlung" des Immobilienmarkts hinwies, blieb sie bei ihrer Einschätzung, dass "Inflationsrisiken" im Vordergrund stünden. Die Fed beließ die Leitzinsen für das Tagesgeld unter Banken wie erwartet bei 5,25 Prozent.

NEW YORK. Wie bei den vorangegangenen Sitzungen stimmte nur Jeffrey Lacker, Fed-Chef in Richmond, gegen die Mehrheit. Die Finanzmärkte reagierten kaum auf die Entscheidung. Nur die Aktienhändler interpretierten den stärkeren Hinweis auf den Abschwung im Immobiliensektor anfangs als Zeichen für eine mögliche Zinssenkung im kommenden Jahr. Der Börsenindex Dow Jones stieg innerhalb von wenigen Minuten um 50 Punkte, fiel später ab wieder zurück. "Der Ton der Notenbanker ist nicht mehr ganz so restriktiv wie im Oktober", sagte Robert McTeer, ehemaliger Fed-Gouverneur in Dallas.

Zwar bleibt die Fed bei ihrer Prognose, dass die US-Wirtschaft in den kommenden Monaten weiter in einem "moderaten" Tempo expandieren werde. Zugleich räumen die Notenbanker jedoch ein, dass die letzten Konjunktursignale keine eindeutige Botschaft angezeigt hätten. Ein Hinweis auf den gegensätzlichen Verlauf der amerikanischen Konjunktur. Während sich der Immobilienmarkt und die Autoindustrie auf Talfahrt befinden, geht es im weitaus größeren Dienstleistungsbereich weiter bergauf.

Fed-Chef Bernanke hat deshalb sein Augenmerk zuletzt mehr der Inflationsfront gewidmet. So warnte er kürzlich vor einem Anstieg der Arbeitskosten. Der hohe Beschäftigungszuwachs von 132.000 Stellen im November dürfte den Lohndruck noch verstärkt haben. Die Kerninflation (ohne Lebensmittel- und Energiepreise) lag zuletzt bei 2,4 Prozent und damit immer noch deutlich über der inoffiziellen Toleranzgrenze der Fed von etwa zwei Prozent.

Viele Ökonomen an der Wall Street rechnen jedoch wie Bernanke damit, dass sich bei einem etwas schwächeren Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr auch die Preise beruhigen werden. "Wir erwarten einen Rückgang der Inflation", sagte Peter Hooper, Chefökonom der Deutschen Bank in New York. Das eröffne der Fed den Spielraum, bei einem Anstieg der Arbeitslosigkeit die Zinsen zu senken. Hooper erwartet den ersten Zinsschritt im ersten Halbjahr 2007 und eine weitere Lockerung bis Anfang 2008. Die US-Wirtschaft wuchs zuletzt mit einer Jahresrate von 2,2 Prozent. Die Volkswirte an der Wall Street erwarten für das nächste Jahr ein Plus zwischen 2,5 und drei Prozent.

Eine starke Minderheit hält die Fed-Prognose für viel zu optimistisch und sieht eine Rezession heraufziehen. Entscheidend sei, so Bill Gross, Chef des weltgrößten Anleihehändlers Pimco, wie stark die Schwäche im Immobiliensektor auf den Rest der Wirtschaft und auf die Konsumfreude im Besonderen übergreife. Bislang war davon noch wenig zu spüren. Allerdings gibt es auf dem Markt für Hypotheken mit geringer Bonität jetzt erste Krisensymptome.

Die Händler an den Terminmärkten spekulieren für die nächste Fed-Sitzung Ende Januar auf eine Verlängerung der Zinspause. Der Markt für US-Staatsanleihen preist jedoch weiterhin eine Zinssenkung im Frühjahr ein. So liegt die Rendite der 10jährigen Treasuries mit 4,5 Prozent weit unter dem Niveau der Leitzinsen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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