Liquiditätshilfen
Bank von England zeigt Härte

Auch wenn die Europäische Zentralbank (EZB) bemüht war, die Finanzmärkte in der Krise mit Geldspritzen aufzupäppeln – das Misstrauen der Banken bleibt bestehen. Zudem zeigt sich die Notenbank Großbritanniens resistent gegenüber jedem Appell.

FRANKFURT/LONDON. Den europäischen Banken macht die knappe Liquidität am Geldmarkt zu schaffen. Infolge der jüngsten Finanzkrise ist das Misstrauen an den Märkten so groß, dass die Institute untereinander kaum Geld für länger als eine Woche verleihen wollen. Daran konnte auch eine Finanzspritze der Europäischen Zentralbank (EZB) gestern nichts ändern. Sie gab außer der Reihe 75 Mrd. Euro mit 90 Tagen Laufzeit in den Markt. In Großbritannien weigert sich die Notenbank trotz immer lauterer Forderungen aus dem Finanzsektor, der angeschlagenen Branche unter die Arme zu greifen.

In einem Brief an britische Parlamentarier meldete der Gouverneur der Bank of England, Mervyn King, gestern Bedenken gegen vorschnelle Hilfen für die Märkte an. Die Zentralbanken müssten zwar bereitstehen, um notfalls eine große Finanzkrise abzuwenden – allerdings dürften die Währungshüter den Geschäftsbanken auf keinen Fall das Gefühl geben, dass sie gefahrlos zu hohe Risiken eingehen könnten. Grund für die derzeitigen Marktturbulenzen sei die falsche Bewertung von Risiken. Wenn sich dieser Trend fortsetze, drohe in Zukunft eine noch heftigere Krise. Im Gegensatz zur EZB und der US-Notenbank hat die Bank of England den Märkten bislang noch keine Liquiditätshilfen gewährt. In Großbritannien verharrte der Dreimonatssatz am Geldmarkt gestern bei 6,9 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit neun Jahren.

Dass die Spannungen bei Dreimonatsgeld auch im Euro-Raum anhalten, erklärt Thomas Mayer, Chefvolkswirt Europa der Deutschen Bank, damit, dass die Banken Liquidität horten, weil in den kommenden Tagen hohe Finanzierungsbelastungen auf sie zukommen. In diesem Monat werden in Europa insgesamt rund 160 Mrd. Dollar an mit Forderungen besicherten Geldmarktpapieren (Asset Backed Commercial Papers) fällig. Wegen der Krise an den Kreditmärkten wird ein großer Teil dieser Papiere aller Voraussicht nach nicht verlängert werden können und muss daher von den Banken in die eigenen Bücher übernommen werden.

In den vergangenen Jahren hatten zahlreiche Geldhäuser Spezialfonds aufgelegt, die in Finanzinstrumente investierten, die mit Einnahmen aus Darlehen besichert waren. Diese Investitionen refinanzierten die Fonds zum großen Teil über kurzlaufende Anleihen. Infolge der Finanzkrise sind Großinvestoren wie Versicherer und Pensionsfonds nicht mehr bereit, die Commercial Papers länger zu halten. Weil aber viele Banken Liquiditätsgarantien für die Spezialfonds abgegeben haben, müssen sie jetzt selbst für die Refinanzierung geradestehen.

Im Gegensatz zur Bank of England hat die EZB gestern versucht, am kriselnden Markt für Dreimonatsgeld mit einer umfangreichen Finanzspritze für Entspannung zu sorgen. Die EZB versorgte die Geschäftsbanken mit Krediten in Höhe von 75 Mrd. Euro. Dabei wurden alle Gebote der Banken über 4,35 Prozent voll zugeteilt. Gebote zu 4,35 Prozent wurden zu 22,6 Prozent berücksichtigt.

Die Nachfrage war enorm: 140 Banken gaben Gebote über mehr als 139 Mrd. Euro ab. Es war erst das zweite Mal in der Geschichte der EZB, dass sie den Markt außer der Reihe mit Dreimonatsgeld bediente. Im August hatte sie bereits 40 Mrd. Euro in den Markt gepumpt. Trotz der außergewöhnlichen Maßnahme lag der Dreimonatssatz am Geldmarkt abends aber wieder bei 4,75 Prozent. Das ist der höchste Stand seit 2001.

Das Ergebnis der EZB-Aktion sei enttäuschend, sagte Geldmarkt-Experte Ciaran O’Hagan von Société Générale der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir hatten gehofft, dass die EZB mehr Engagement an den Tag legt, um eine einwandfreie Funktion der Märkte wiederherzustellen.“

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