Lucas Papademos
EZB wird drohende Inflation „nicht tolerieren“

Die Europäische Zentralbank (EZB) plant für die nahe Zukunft offenbar keinen Abzug der Liquidität, die sie den Märkten zur Abfederung der Finanzkrise zusätzlich zur Verfügung gestellt hat. Sollte es allerdings erste Anzeichen für eine Bedrohung der Preisstabilität geben, werde die Notenbank gegensteuern, kündigt ihr Vize-Chef Lucas Papademos im Handelsblatt-Interview an und skizziert erstmals eine Exit-Strategie.

Handelsblatt: Die US-Notenbank Fed hat ihre Strategie umrissen, wann sie die Liquidität wieder verringern will. Was plant die EZB?

Lucas Papademos: Die unkonventionellen Maßnahmen, mit denen wir dem Bankensystem und der Wirtschaft insgesamt Liquidität zur Verfügung gestellt haben, sind überwiegend über den Interbankenmarkt gelaufen. Die Banken haben gegen notenbankfähige Sicherheiten Kredite erhalten. Die einzige andere Maßnahme, die unlängst eingeführt wurde, war der Ankauf einer vergleichsweise geringen Menge gedeckter Schuldverschreibungen. Aber selbst wenn dieses Programm voll umgesetzt wird, macht es nur einen kleinen Teil der gesamten Liquidität aus, die das Eurosystem zur Verfügung gestellt hat. Die Art und Weise, wie wir die Liquidität in den Markt gegeben haben, macht es zumindest von der Konzeption her einfach, sie wieder zurückzuholen. Dafür gibt es verschiedene Wege und Instrumente. Wir könnten etwa nach und nach einige der Refinanzierungsgeschäfte nicht erneuern, wenn sie auslaufen, oder wir ändern das Tenderverfahren, über das wir Liquidität zur Verfügung stellen.

An was genau denken Sie?

Statt den Banken beispielsweise für eine Laufzeit von sechs Monaten gegen Sicherheiten zu einem festen Zinssatz unbegrenzt Liquidität zur Verfügung zu stellen, bieten wir nur einen begrenzten Betrag an, für den die Banken bieten können - so wie wir es in der Vergangenheit gemacht haben. Eine solche Änderung im Tenderverfahren würde es uns erlauben, die Liquidität nach und nach zu reduzieren.

Dauert das dann nicht sehr lange?

Nein, nicht notwendigerweise. Obwohl der Abzug der Liquidität allmählich erfolgen würde und wichtige Fragen geklärt werden müssten, um sicherzustellen, dass die Exit-Strategie reibungslos umgesetzt werden könnte.

Nämlich?

Das erste ist die Frage des Zeitpunkts: Wann beginnen wir mit dem Abzug der Liquidität, und wie lange soll dieser Prozess dauern? Die zweite Frage ist die der Kommunikation: Wann informieren wir die Märkte? Drittens sind eine Reihe technischer Fragen zu lösen, um sicherzustellen, dass der Geldmarkt reibungslos funktioniert und eine abrupte Veränderung der Geldmarktzinsen vermieden wird.

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