Märkte rechnen für Ende des Jahres mit Zinssenkung
US-Notenbank belässt Zinsen unverändert

Die US-Leitzinsen bleiben unverändert bei 5,25 Prozent. Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank (Fed) bestätigte damit am Mittwoch trotz deutlich abgeschwächter Konjunktur zum siebten Mal in Folge den geltenden Satz für Tagesgeld.

HB WASHINGTON/FRANKFURT. Die Entscheidung entspricht den Erwartungen der Finanzmärkte. Diese rechnen damit, dass die Federal Reserve Ende des Jahres eine Politik der Zinssenkungen einleiten wird, um neue Impulse für die Konjunktur und den Arbeitsmarkt zu setzen. Da die Fed ihre „Funds Rate“ unverändert bei 5,25 Prozent beließ, wird auch die „Prime Rate“ der Geschäftsbanken bei 8,25 Prozent verharren - dies ist der Zins, den die Geschäftsbanken den meisten ihrer Kunden in Rechnung stellen.

Das Wirtschaftswachstum war nach einer ersten Schätzung im ersen Quartal 2007 auf Jahresbasis nur um 1,3 Prozent gewachsen - das langsamste Tempo seit vier Jahren. Höhere Energiepreise hatten jedoch im März die US-Inflation kräftig angeheizt: Die Verbraucherpreise kletterten binnen Monatsfrist saisonbereinigt um 0,6 Prozent. Damit sprang die jährliche Teuerungsrate auf 2,8 Prozent. Allerdings gab es bei Ausklammerung der schwankungsanfälligen Lebensmittel- und Energiepreise ein positiveres Bild: einen Anstieg im Monatsvergleich um nur 0,1 Prozent.

Vor dem Beschluss hatten viele Marktexperten mit einer ersten Senkung zu Beginn der zweiten Jahreshälfte gerechnet. Die Erwartungen wurden nun etwas zurückgeschraubt. Der Dollar reagierte mit Kursgewinnen, die Preise der US-Staatsanleihen gaben nach, die Aktienkurse zeigten zunächst keine eindeutige Reaktion.

Die Erklärung des für die Geldpolitik zuständigen Offenmarktausschusses der Fed glich der vom vergangenen Treffen Ende März. Die Notenbanker verwiesen auf die jüngste Wachstumsabschwächung der weltgrößten Volkswirtschaft. Zugleich bekräftigten sie indes ihren positiven Ausblick, wonach die Konjunktur im weiteren Jahresverlauf wieder Fahrt aufnimmt. „Die vorrangige Sorge des Ausschusses bleibt aber das Risiko, dass sich die Inflation nicht wie erwartet abschwächt“, hieß es in der Stellungnahme. Besonders in der Kernrate bleibe die Inflation etwas erhöht, erklärte die Fed.

„Sie wollen uns sagen, dass sich die Wirtschaft nicht genug abgeschwächt hat, um die Inflationsrisiken abzumildern“, sagte Gary Thayer, Chefvolkswirt von A.G. Edwards & Sons in St. Louis. Von einigen Anlegern werde nun offenbar auch eine weitere Zinserhöhung wieder für möglich gehalten. Bob Moulton, Präsident des Brokerhauses Americana Mortgage Group, verwies hier auch auf die weiter steigenden Benzinpreise. „Die Fed will die Inflation erst unter Kontrolle sehen, bevor sie die Zinsen senkt“, sagte er.

Die US-Zentralbank setzt seit Monaten darauf, dass das schwächere Wachstum und auch eine möglicherweise steigende Arbeitslosigkeit den Inflationsdruck dämpft. Die US-Wirtschaft war zu Jahresbeginn lediglich um 1,3 Prozent gewachsen, aber das Beschäftigungsniveau blieb vergleichsweise hoch. Angesichts einer Arbeitslosenquote von 4,5 Prozent dürfte bei der Fed die Befürchtung vor weiteren Lohnsteigerungen anhalten. In ihrer Erklärung verwiesen Bernanke und seine Kollegen auch darauf. Einige Experten sehen erst ab einer Quote von 4,7 Prozent Spielraum für niedrigere Zinsen in den USA. „Sie spielen auf Zeit: Man kann nicht die Zinsen senken, wenn die Beschäftigung hoch ist“, sagte William Larkin, Portfoliomanager bei Cable Money Management."

Keine Zinserhöhung bei EZB-Sitzung erwartet

Signale über die weitere Zinsentwicklung in der Eurozone erhoffen sich die internationalen Finanzmärkte von der Sitzung des EZB-Rats am Donnerstag in Dublin. Mit einer Erhöhung des Leitzinses, der aktuell bei 3,75 Prozent liegt, wird dabei nicht gerechnet. Mit Spannung warten Beobachter aber darauf, ob EZB-Direktor Jean-Claude Trichet mit Äußerungen die Märkte auf ein weiteres Drehen an der Zinsschraube bei der nächsten Sitzung im Juni vorbereitet.

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» Federal Reserve / FOMC

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