Managerindex
Hohe Steuern drücken Stimmung in Japans Industrie

Japans Industrie reagiert auf die erste Steueranhebung seit langem: Die meisten Manager sehen die Zukunft pessimistischer als 2013. Das treibt auch den Nikkei. Doch Investitionen in die Zukunft sollen dennoch kommen.
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TokioEine Anhebung der Verbrauchssteuer hat der japanischen Industrie im vergangenen Quartal wie erwartet einen Dämpfer zugefügt. Erstmals seit sechs Quartalen sank die Stimmung unter den Industriemanagern des Landes, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage der Bank von Japan (BoJ) hervorgeht.

Der von der Zentralbank ermittelte Stimmungsindex für die Großindustrie ging zum Juni auf plus 12 zurück - nach dem Stand von plus 17 im März fiel das Minus damit etwas stärker aus als von Ökonomen erwartet. Für die nächsten drei Monate dürften sich die Mienen der Manager jedoch wieder etwas aufhellen: Dem sogenannten Tankan-Bericht der BoJ zufolge dürfte der Stimmungsindex für die Großindustrie zum September wieder auf plus 15 steigen.

Ein positiver Index bedeutet, dass die Optimisten in der Mehrheit sind. Ökonomen hatten erwartet, dass die zum 1. April erfolgte Steueranhebung von 5 Prozent auf 8 Prozent die Stimmung in der Wirtschaft dämpfen würde. Die Prognose der Industrie für die nächsten drei Monate deutet aber darauf hin, dass die Auswirkungen der Steuererhöhung nur milde und von begrenzter Dauer sein werden.

Die Börse in Tokio reagierte darauf mit Aufschlägen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte notierte zum Handelsende am Dienstag ein Plus von 164,10 Punkten oder 1,08 Prozent bei 15.162,10 Zählern.

Auch in den nicht produzierenden Branchen trübte sich die Stimmung erstmals seit eineinhalb Jahren ein; der entsprechende Index sank bei den Großbetrieben von plus 24 auf 19. Hier dürfte sich die Lage im laufenden Quartal laut Umfrage weder verbessern noch verschlechtern.

Branchenübergreifend planen die großen Unternehmen, ihre Investitionen im bis zum 31. März 2015 laufenden Geschäftsjahr um durchschnittlich 7,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu erhöhen. Im März waren sie noch von einem Plus von 0,1 Prozent ausgegangen.

Insgesamt schätzen Ökonomen auch die Aussichten insbesondere für die produzierende Industrie als gut ein. Vor diesem Hintergrund dürfte die Zentralbank an ihrem bisherigen geldpolitischen Kurs unverändert festhalten. Die Verbraucherpreise waren im Mai infolge der Erhöhung der Verbrauchssteuer und der hohen Energiekosten um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen - so stark wie seit mehr als drei Jahrzehnten nicht mehr.

Die Bank von Japan sieht sich in ihrem Kampf gegen die fast zwei Jahrzehnte andauernde Deflation auf dem richtigen Weg und peilt 2015 eine Inflation von 2 Prozent an - ohne die direkten Auswirkungen der Steueranhebung.

Andererseits könnten eine Verlangsamung des wichtigen Exportmotors und die Sorge über das Konsumverhalten der Verbraucher die Zentralbank nach Ansicht mancher Ökonomen am Ende doch dazu bewegen, weitere Schritte zur Lockerung der geldpolitischen Zügel zu unternehmen, um das Ziel einer Preisstabilität zu erreichen.

Unter den kleinen und mittleren Unternehmen Japans, die das Gros der Arbeitnehmer beschäftigen, fiel der Stimmungsindex zum Juni auf plus 1 nach plus 4 bei produzierenden Firmen und auf plus 2 von plus 8 bei nicht fertigenden Unternehmen. Während die Produktionsbetriebe hier eine Verbesserung auf plus 3 im laufenden Quartal erwarten, dürfte der Index bei den nicht fertigenden Firmen weiter auf Null absinken.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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