Markit-Umfrage
Euro-Zone droht eine Rezession

Die Wirtschaft in der Euro-Zone ist im Oktober spürbar geschrumpft. Aussicht auf Besserung gibt es laut einer Firmen-Umfrage nicht. Schon Anfang kommenden Jahres könnte daher Europa in die Rezession abdriften.
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BerlinDer Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft fiel im Oktober um 1,9 auf 47,2 Zähler, teilte das Markit-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter Tausenden Unternehmen mit. Damit entfernte sich das stark beachtete Barometer weiter von der Marke von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird. „Die meisten Indikatoren deuten an, dass es in den kommenden Monaten eher schlechter als besser werden wird“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Es werde daher immer wahrscheinlicher, dass die Wirtschaft im vierten Quartal schrumpfe. Für den Jahresbeginn 2012 sehe es ebenfalls schlecht aus. Damit drohe eine Rezession.

Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel um 1,2 auf 47,3 Punkte und damit auf den schlechtesten Wert seit Juli 2009. Die Aussichten auf eine rasche Besserung stehen nicht gut: Die Aufträge gingen so stark zurück wie seit knapp zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Das Barometer für die Dienstleistungsbranche gab um 1,6 auf 47,2 Punke nach. Keiner der 35 von Reuters befragten Analysten hatte damit gerechnet, dass dieser Wert so deutlich unter die wichtige 50-Punkte-Marke abrutscht.

Die deutsche Wirtschaft startete derweil mit leichtem Rückenwind in das vierte Quartal. Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft legte im Oktober um 0,7 auf 51,2 Punkte zu, teilte das Markit-Institut in seiner Umfrage unter Hunderten Unternehmen mit. Das Wachstum ist allein den Dienstleistern zu verdanken, deren Geschäfte überraschend zulegten. Die exportabhängige Industrie drosselte dagegen erstmals seit mehr als zwei Jahren ihre Produktion. „Viele Unternehmen sorgen sich wegen der Schuldenkrise in der Euro-Zone, weil die Unsicherheit viele Kunden zu einem Aufschub ihrer Investitionsentscheidung veranlasst“, sagte Markit-Experte Tim Moore.

Entsprechend gedämpft sind die Aussichten. Die Industrie meldete den stärksten Auftragsrückgang seit Juni 2009. Die Bestellungen aus dem Ausland gingen sogar so stark zurück wie seit Mai 2009 nicht mehr. Die gedämpften Konjunkturaussichten hätten einige Kunden veranlasst, ihre Bestellungen zu stornieren, hieß es. Auch der binnenmarktorientierten Service-Branche drohen schwierigere Zeiten: Die Geschäftsaussichten wurden von den Managern so schlecht bewertet wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel um 1,4 auf 48,9 Punkte. Analysten hatten im Schnitt mit 50 Punkten gerechnet. Erst ab diesem Wert wird Wachstum signalisiert. Das Barometer für die Dienstleister stieg dagegen um 2,4 auf 52,1 Zähler. Hier waren 49,7 Punkte erwartet worden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Stellt man die Frage nach zukünftigem Wachstum aus dem engen Blickwinkel des realen BIP (RBIP) heraus, so könnte man aus technisch-methodischen Gründen bereits die Herleitung des RBIP aus den Einkaufsmanagerindices (PMI) mit einigen Fragezeichen versehen. Aber das führt hier zu weit ab von dem Kernpunkt.

    Der entscheidende Kritikpunkt ist, daß es kein ehernes Gesetz gibt, wonach das RBIP permanent wachsen muß. Aus verschiedenen Gründen wäre das möglicherweise wünschenswert - obgleich es auch mit einigen daraus erwachsenden Problemen verknüpft ist - , jedoch ist es durchaus zulässig, für bestimmte Situationen von Volkswirtschaften Nullwachstumden als normalen Weg in der weiteren Zukunft anzunehmen.

    Wachstum ist von sehr vielen Faktoren sowohl innnerhalb der Eurozone als auch für die gesamte Eurozone hinsichtlich der Entwicklung in der übrigen Welt abhängig.

    Die sicher nicht unwichtige Schuldensituation in der Eurozone ist dabei nur ein Baustein. Unabhängig vom RBIP muß hier endlich ein vernünftiger Weg für die Zukunft gefunden werden.

    Das sollte die Politik aber nicht veranlassen, nun wieder über finanz- und geldpolitische Maßnahmen zwecks Konjunkturankurbelung zu spekulieren. Soweit andere Basisdaten für das reale Volkseinkommen eine Limitierung enthalten, köte ein derartiger Schuß am Ende wirkungslos sein und uns weitere Schwierigkeiten in den Staatshaushalten und im Geldsystem bereiten.

  • Dies ist kein Problem der Eurozone, sondern aller westl. Industrieländer.
    Unser „Rückenwind“, die weltweiten Konjunkturstrohfeuerpakete, von denen vor allem wir in DE mit Made in Germany partizipierten, laufen 2011 allesamt aus. Neue sind nicht in Sicht.

    In den letzten 3 Jahren haben die Staaten weltweit ca.32,5 Bio. $ aufgewendet, natürlich alles auf Pump, um die Bankster zu retten und um einen selbsttragenden Aufschwung auszulösen. Beides ist gründlich in die Hosen gegangen. Jetzt sind die Staaten pleite. Noch mehr pleite geht nicht mehr. Wegbrechende Steuereinnahmen und explodierende Ausgaben für Soziales und Kapitaldienst erledigen den Rest.
    Unser Retter, der Euro, die Eurozone. 60% unserer Exporte gehen in die Eurozone. Gerade wir in DE profitieren doch so vom Euro, sagt Merkel und Schäuble im Gleichklang. Oder habe ich da was missverstanden? In den letzten 3 Jahren hat die EZB ca. 340Mrd. Euro (im August und September nochmals 107 Mrd. Euro) und die DBB nochmals ca. 200Mrd. Euro an die Zentralbanken der PIIG(F)S überwiesen, damit die unsere Exportrechnungen bezahlen können. Ein auf Kredit finanzierter Aufschwung. Und jetzt müssen wir unsere Kredite auch noch selbst zurückzahlen – also alles verschenkt. Wer hat da in der Schule nicht aufgepasst.
    So sieht er also aus, unser erträumter Aufschwung – eine Fata Morgana.
    Mehr dazu: http://siggi40.de/geld/

  • In dem Artikel tauchen folgende zwei Saetze an verschiedenen Stellen auf:
    1- Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft legte im Oktober um 0,7 auf 51,2 Punkte zu, teilte das Markit-Institut in seiner Umfrage unter Hunderten Unternehmen mit.
    2- Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft fiel im Oktober um 1,9 auf 47,2 Zähler, teilte das Markit-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter Tausenden Unternehmen mit

    Ist das richtig so?

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