Miese Konjunktur
Schlittert Deutschland in die Rezession?

Die Produktion in Deutschland entwickelt sich schwach, die Industrieaufträge sind gesunken und die Stimmung ist schlecht. Die Ukraine-Krise verunsichert deutsche Unternehmen und Verbraucher. Wie hoch sind die Risiken?
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DüsseldorfInnerhalb weniger Wochen haben sich die Aussichten für die deutsche Wirtschaft so verdüstert, dass manche Ökonomen schon das Wort Rezession in den Mund nehmen. „Eine Rezession kann zum derzeitigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden, da die jüngsten Daten Anlass zur berechtigten Besorgnis geben“, sagt Gustav Horn vom gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Beängstigend sei vor allem das hohe Tempo, mit dem sich die konjunkturelle Lage eingetrübt habe.

Am Dienstag gab es erneut ein Warnsignal: Der ZEW-Index über die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten sank so stark wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Der ZEW-Index gilt als guter Indikator für konjunkturelle Wendepunkte. Auch das Bundeswirtschaftsministerium stellt fest, dass sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft „insgesamt spürbar eingetrübt hat“. Damit teilt das Ministerium die Prognose etlicher Ökonomen. Im Juni waren die Industrieaufträge überraschend um 3,2 Prozent gesunken und damit so stark wie seit September 2011 nicht mehr. Auch die Produktion ist hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Wenn es um die Ursache für den herben Konjunktur-Dämpfer geht, fällt als Erstes das Stichwort Ukraine. Aus Sicht von Gustav Horn ist die Krise dort aber nur ein Grund. Sie sei ein Element unter mehreren – wie zum Beispiel die Krise des Euro-Raums – die die Konjunktur gerade belasten würden. „Die Bündelung der Ereignisse ist schädlich, weniger das einzelne Vorkommnis“, sagt Horn.

Auf dem Papier sind die deutschen Exporte nach Russland für die deutsche Wirtschaft gar nicht so bedeutend. 2013 machten sie 3,3 Prozent der gesamten deutschen Exporte aus. Das entsprach einem Anteil von 1,3 Prozent an der deutschen Wirtschaftsleistung. Dies ist vergleichsweise wenig. Zudem könnten deutsche Exporteure vermutlich zumindest teilweise auf andere Absatzmärkte ausweichen.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer gibt außerdem zu bedenken, dass die deutschen Exporte nach Russland nicht erst seit Beginn der Sanktionen fallen, sondern bereits seit einem Jahr. Trotzdem sei die deutsche Wirtschaft bis zum ersten Quartal stärker gewachsen. Russland sei bisher nicht wichtig genug gewesen, um die gesamte deutsche Wirtschaft nach unten zu ziehen, auch wenn die Sanktionen einzelne Unternehmen empfindlich treffen könnten. „Wenn die von den Sanktionen betroffenen deutschen Exporte um ein Drittel einbrächen, würde dies das deutsche Bruttoinlandsprodukt allenfalls um 0,2 Prozentpunkte senken“, sagt Krämer.

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„Das größte Risiko ist die Verunsicherung“

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  • Wenn man sich die Zahlen unvoreingenommen ansieht ist D stark in die Rezession geschliddert und im nächsten Quartal wird es noch desaströser.
    Die deutsche Politik versucht mit ihren Instituten die Wahrheit zu unterdrücken.
    Tägliche Jubelmeldungen
    Zahlentricksereien
    Untertauchen der Poltiker zu Fragen die für Deutschland von größtem Interessen sind
    Verbreiten von Unwahrheiten und fälschen und weglassen von Nachrichten.
    Es wird Zeit für eine klare Politik die die deutsche Wirtschaft mit ihren Teilnehmern in den Mittelpunkt stellt.
    Es wird Zeit das die Ausgaben für den € und die EU stark zurück gefahren werden, damit die freiwerdenden Gelder in deutsche Projekte z.B. der Infrastruktur in allen Bereichen investiert werden kann.,
    Die EU un der € ist ein "Totes Pferd" und das sollte man nicht mehr reiten sondern es anständig begraben.

  • 8.Sanktionspolitik: Europa am Abgrund
    Es droht ein unkontrollierter Wirtschafts- und Finanzkrieg, sagt Dieter Spöri. Verursacht durch eine naive Politik, die glaubt, mit Sanktionen Russlands Präsident Putin “aus dem Sattel heben” zu können. Streng immanent argumentierend, wirft der Ex-Wirtschaftsminister der EU vor, kaum noch “bis zum zweiten Zug” zu denken.
    Die von der EU beschlossenen Sanktionen gegen Russland können im Endeffekt zu einer wirtschaftspolitischen Selbstverstümmelung führen. Die jetzt angestoßene interaktive Sanktionsspirale kann in einen unkontrollierbaren Wirtschafts- und Finanzkrieg münden, der nicht nur Russland hart trifft, sondern über Sekundäreffekte ganz Europa und die Weltwirtschaft wirtschaftlich zurückwirft. Die jetzt im Schulterschluss mit den USA in Kraft gesetzten “Strafmaßnahmen” werden aber auch keinerlei politische Fortschritte in der neuen West-Ost-Konfrontation oder im leidvollen Ukrainekonflikt bringen. Ganz im Gegenteil: Sie werden die gefährliche politische Konfrontation zwischen Nato und Russland weiter anheizen….
    Das Kalkül der Sanktionen setzt auf die naive Annahme, dass sich in Russland wegen der wirtschaftlichen Nadelstiche und Einbußen die Mehrheit der Bevölkerung dann schnell gegen den gegenwärtig noch hochpopulären Putin wendet und dieser zumindest vor der EU politisch zu Kreuze kriecht oder gar das Handtuch wirft…
    Das genaue Gegenteil wird zumindest kurz- und mittelfristig geschehen…
    Quelle: Kontext: Wochenzeitung NDS

  • Dazu eine interessante Anmerkung von Thorsten Hild im Zusammenhang mit einem Schul-Video der EZB:

    Dabei schreibt die EZB doch selbst in ihrem eigens für die LehrerInnen vorgesehenen “Lehrerheft” (kursive Hervorhebung WuG): “Obwohl Deflation für eine Volkswirtschaft ähnliche Kosten wie Inflation verursacht, ist es besonders wichtig, Deflation zu vermeiden, weil sie sich aufgrund der Tatsache, dass nominale Zinssätze nicht unter null fallen können, verfestigen kann, wenn sie erst einmal aufgetreten ist.” …
    …. (Hingegen) behauptete das IW doch tatsächlich anlässlich der heute vom Statistischen Bundesamt bestätigten äußerst niedrigen Inflationsrate von 0,8 Prozent in Deutschland:
    “Die Inflationsrate lag im Juli bei 0,8%. Deflationssorgen sind aber übertrieben, denn die Kerninflation ist höher.”
    Das ist bemerkenswert. Lernt doch mit dem EZB-Video schon jeder Schüler und jede Schülerin, dass Deflation wie Inflation die allgemeine Preisentwicklung berührt und nicht das Steigen oder Fallen einzelner oder wie auch immer abgegrenzter Preise. Die Kerninflation (ohne Nahrungsmittel und Energie) kann hier also nicht Maßstab sein. Sonst hätten die EZB und andere Zentralbanken ja auch ein Kerninflationsziel festgelegt und nicht ein Inflationsziel…
    (Das IW weiter:) “Bei einer durchschnittlichen Inflationsrate zwischen 0 und 2 Prozent herrscht konventionsgemäß Preisstabilität.”
    Das ist jedenfalls nicht die “Konvention” der EZB. Auch nicht die der Bundesbank oder der US-Notenbanken (Fed) oder auch der japanischen Notenbank. Es kann sich also wahrscheinlich nur um die “Lobby-Konvention” des IW handeln… Lobby-Konvention deswegen, weil das IW bekannt dafür ist, ständig für eine nicht verteilungsneutrale Lohnentwicklung einzutreten….
    Quelle: Schul-Video der EZB setzt falschen Schwerpunkt bei Erklärung von Preisstabilität in Wirtschaft und Gesellschaft. Quelle NDS

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