Mindestlohn-Studie
Deutsche Bank sorgt sich um „Problemgruppen“

In einer Studie zum Mindestlohn warnt der Think Tank der Deutschen Bank vor Arbeitsplatzverlusten. Vor allem „Problemgruppen“ könnten Schwierigkeiten bei der Jobsuche bekommen, glauben die Experten.
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DüsseldorfDie Volkswirtschaftliche Abteilung der Deutschen Bank warnt in einer aktuellen Studie vor einem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro. „Ein solcher Mindestlohn wird nach unseren Schätzungen zwischen 450.000 und einer Million Arbeitsplätze kosten,“ schreiben die Experten von Deutsche Bank Research in einer aktuellen Studie mit dem Titel „Mindestlohn von 8,50 Euro: Eine falsche Weichenstellung.“

Nach Berechnungen der Autoren Barbara Böttcher, Gilles Moec und Stefan Schneider müssten infolge eines Mindestlohns die Löhne von rund sechs Millionen Beschäftigten angehoben werden. Die Ökonomen gehen jedoch davon aus, dass sich der Mindestlohn nicht nur bei Beschäftigten auswirkt, deren Löhne derzeit unter der Marke von 8,50 Euro liegen. Ein jährliches Hochsetzen des Mindestlohns könne auch die Tarifverhandlungen insgesamt beeinflussen und so die Löhne in einem breiten Spektrum hochtreiben, argumentieren sie.

Die Auswirkungen des Mindestlohns sind demnach unterschiedlich. Im Exportsektor wären die direkten Effekte eines Mindestlohns vermutlich überschaubar, da dort die Löhne in der Regel deutlich über dem Niveau von 8,50 Euro lägen. Dort machten sich vor allem indirekte Effekte bemerkbar, wie etwa steigende Kosten bei Zulieferern oder für den Zukauf heimischer Dienstleistungen.

Problematisch sei ein Mindestlohn vor allem mit Blick auf diejenigen, die ohnehin Schwierigkeiten bei der Jobsuche hätten. „Ein Mindestlohn würde vor allem die Beschäftigungsperspektiven von Problemgruppen trüben,“ schreiben die Autoren. Gemeint sind etwa Geringqualifizierte. In dieser Gruppe liegt die Arbeitslosenquote heute bereits bei rund 20 Prozent. Außerdem könnten wirtschaftlich abgehängte Regionen besondere Schwierigkeiten bekommen. „In strukturschwachen Regionen dürfte ein Mindestlohn von 8,50 Euro den Aufbau neuer Stellen stark behindern und auch zum Abbau bestehender Arbeitsplätze führen,“ heißt es.

Unterm Strich empfehlen die Ökonomen der Politik, lieber die Finger vom Mindestlohn zu lassen. Statt in die Tarifautonomie einzugreifen, sei es sinnvoller, wenn der Staat die Einkommensverteilung durch Steuern und Transferzahlungen korrigiere.

Derzeit verhandeln Union und SPD in den Koalitionsgesprächen über die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro. Die SPD hat ihn zur Voraussetzung für eine Koalition erklärt. Auch die Union ist nicht abgeneigt. CSU-Chef Horst Seehofer zeigte sich bereits kompromissbereit.

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent

Kommentare zu " Mindestlohn-Studie: Deutsche Bank sorgt sich um „Problemgruppen“"

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  • Vieles müsste aneinander gekoppelt werden: Mindestlöhne an die Inflation; Renten an Pensions- und Diätenerhöhungen; Strompreise an weniger Verbrauch; die Steuerprogression an steigende Löhne; Krankenkassenbeiträge an die Parität zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer; etc. Die Politik bleibt leider unfähig. Aus! Darum wenden sich die Bürger von einer Regierung ab, die die massive Ausspionage ihrer Bürger zulässt und nicht bekämpft!

  • Das bestätigt den Bebgriff "Bananenrepublik", die nur unternehmenshörig ist und die Lasten auf die Bürger verteilt. Was für eine Marktwirtschaft!!!???

  • Erst kürzlich wurde Deutschland zu Recht von den USA für den großen Exportüberschuss kritisiert. Die USA fordert die Förderung der Binnennachfrage. Das Beste Mittel zur Förderung der Binnennachfrage sind Lohnerhöhungen bei den Menschen, die diese direkt für den Konsum nutzen, als bei denen, die im Niedriglohnsektor arbeiten. Wie könnte das besser funktionieren als mit einem gesetzlichen Mindestlohn.

    Der Deutsche Staat hat ein ureigenes Interesse am Mindestlohn, denn Löhne müssen so gestaltet sein, dass Arbeitnehmer mit einem Vollzeit-Job davon leben können und nicht zusätzlich Sozialhilfe benötigen. Damit ergibt sich meines Erachtens eindeutig eine gesetzliche Notwendigkeit, den Mindestlohn an die staatlich kalkulierte Armutsgrenze zu koppeln und nicht mit einem fixen Betrag von 8,50€ zu fixieren, denn dadurch wird der Gesetzgeber gezwungen, das Gesetzt all paar Jahre an die Inflation anzupassen.

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