Monatsbericht
EZB bekräftigt Ja zu Anleihenkäufen

Die EZB hat genug von Gerüchten über Krisenszenarien im Euroraum und will ihnen mit Anleihenkäufen „grundlegend begegnen“. An der Konjunkturprognose von Beobachtern ändert das nichts. Sie kennt vorerst nur eine Richtung.
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Berlin/FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Bereitschaft bekräftigt, wieder Staatsanleihen zu kaufen. „Die Kurse der Staatsanleihen einiger Länder enthalten außergewöhnlich hohe Risikoprämien, und die Wirksamkeit der Geldpolitik wird durch die Fragmentierung der Finanzmärkte beeinträchtigt“, hieß es am Donnerstag im EZB-Monatsbericht. Risikoprämien, die auf ein Auseinanderbrechen der Eurozone abzielten, seien nicht akzeptabel und dem müsse „grundlegend begegnet werden“. Ausdrücklich bezeichnete die EZB den Euro als „irreversibel.“

Mit den umstrittenen Anleihekäufen will die Notenbank die Risikoprämien für hoch verschuldete Euro-Staaten wie Spanien oder Italien drücken, die sich seit Monaten nur mit großer Mühe an den Märkten frisches Geld besorgen können. Die Notenbank knüpft ihre Hilfe jedoch an Bedingungen: Notwendige Voraussetzungen seien, dass die Regierungen ihre Verpflichtungen einhalten und die Rettungsfonds EFSF und ESM „ihre Aufgaben erfüllen“.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte am vergangenen Donnerstag angekündigt, dass die Notenbank auf dem Anleihemarkt wieder aktiv werden könnte. Die EZB hatte im Mai 2010 gegen deutschen Widerstand ein Kaufprogramm für Bonds aufgelegt. Aktuell hat sie Staatspapiere im Wert von 211,5 Milliarden Euro in der Bilanz. Das Programm ruht seit Mitte März.

Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone bleibt nach Einschätzung der Währungshüter schwach. Inflationsgefahren sieht die EZB nicht. Die Inflationsrate sollte im Jahresverlauf 2012 weiter zurückgehen und 2013 unter der Marke von zwei Prozent liegen.

Professionelle EZB-Beobachter haben ihre Konjunkturprognose für die Eurozone indes gesenkt. Laut der am Donnerstag veröffentlichten vierteljährlichen Umfrage der Notenbank unter Analysten ihrer Geldpolitik rechnen diese 2012 mit einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent. In der vor drei Monaten veröffentlichten Umfrage hatten sie noch minus 0,2 Prozent veranschlagt. Zugleich blicken sie skeptischer auf das Jahr 2013: Dann soll sich ein Wachstum um 0,6 Prozent einstellen. Zuletzt hatten sie noch plus ein Prozent veranschlagt. 2014 soll sich das Wachstum dann auf 1,4 Prozent beschleunigen.

Die Prognose für die Entwicklung der Inflation im laufenden Jahr behielten die Beobachter mit 2,3 Prozent bei. Damit würde der Preisdruck über der von der Europäischen Zentralbank (EZB) veranschlagten Zielmarke von knapp zwei Prozent bleiben. Erst nächstes Jahr wird das Inflationsziel mit einer prognostizierten Teuerungsrate von 1,7 Prozent wieder unterschritten.

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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Spielt die EZB gerade ein bisschen IWF oder Politikberatung?

    EZB fordert Lohnsenkung, Lockerung des Kündigungsschutzes, heißt es bei einer anderen Tageszeitung. Das darf doch nicht wahr sein. Was hat das denn mit Geldpolitik zu tun.

  • Italienischer Longbond-Future bei 101 - implizite Rendite 5,9%.

    Die Spekulanten sind eben jetzt etwas vorsichtiger geworden.

  • Es wird Zeit für eine Bürgerbewegung!

    EURO? NEIN DANKE!

    AUFKLEBER aufs Auto and die Wände überall!

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