Monatsbericht
EZB erwartet schwächere Konjunktur

Die Europäische Zentralbank sieht die Konjunktur im Euroraum zunehmenden Abwärtsrisiken ausgesetzt. Dies bleibt nicht ohne Folgen für das Wirtschaftswachstum. Und auch die Risiken für Preisentwicklung bleiben weiter bestehen. EZB-Chef Trichet ging mit den Verantwortlichen der gegenwärtigen Krise hart ins Gericht und mahnte, sie sollten zur Vernunft kommen.

HB FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet im Zuge der jüngsten Zuspitzung der Krise an den Finanzmärkten eine Abschwächung der Konjunktur im Euro-Währungsgebiet. Nach Auffassung des EZB-Rats seien „die Konjunkturaussichten zunehmenden Abwärtsrisiken ausgesetzt“, heißt es in dem am Donnerstag in Frankfurt veröffentlichten EZB-Monatsbericht für Oktober. Die Finanzmarktkrise habe dabei zu einer „außergewöhnlich hohen Unsicherheit“ geführt.

Zudem würden jüngste Konjunkturdaten deutlich zeigen, dass sich das Wirtschaftswachstum im Euroraum wegen einer „gedämpften Inlandsnachfrage und verschärfter Finanzierungsbedingungen“ abschwächt, hieß es weiter im Monatsbericht. Aus Sicht der EZB schränkt vor diesem Hintergrund der relativ schwache private Verbrauch den Spielraum für weitere kräftige Preiserhöhungen für Industrieerzeugnisse ein. Die von vorherigen Steigerungen der Rohstoffpreise ausgehenden indirekten Effekte und der zunehmende Inflationsdruck aufgrund der Arbeitskosten könnten allerdings für die Unternehmen die Notwendigkeit verstärken, ihre Gewinnmargen wiederherzustellen, und sie schließlich zwingen, ihre Preise zu erhöhen, hieß es. Dies deute darauf hin, dass sich die Preisdynamik bei den Industrieerzeugnissen ohne Energie kurzfristig leicht beschleunigen werde, aber moderat bleiben dürfte.

Mit scharfen Worten wandte sich EZB-Chef Jean-Claude Trichet an die Akteure auf den Finanzmärkten. Er sprach von einem „exzessiven Pessimismus“ der Aktienhändler und forderte, sie sollten „zur Vernunft zu kommen“. Der sonst sehr zurückhaltende Trichet ging in einem Fernsehinterview des Senders France 3 mit den Verantwortlichen der gegenwärtigen Krise hart ins Gericht. „Zur Zeit haben die Akteure in Wirtschaft und Finanzwelt nicht notwendigerweise die Zeit, die Dinge zu analysieren“, sagte er am späten Mittwochabend.

Trichet reagierte damit auf das Abstürzen der Aktienmärkte im Laufe des Tages. Die simultanen Leitzinssenkungen in Europa und den USA hatten den Kursverfall nur kurzzeitig gebremst, am Nachmittag waren zahlreiche Börsen weiter in den Keller gerauscht.

Seite 1:

EZB erwartet schwächere Konjunktur

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%