Monatsbericht
EZB: Konjunkturwende erst in einem Jahr

Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet erst ab Mitte 2010 wieder positive Wachstumsraten im Euro-Raum. Gezielte Maßnahmen zur Dämpfung des Abschwungs am Arbeitsmarkt wie Kurzarbeit hält die Notenbank aber nur übergangsweise für empfehlenswert.

HB FRANKFURT. Sofern der Konjunkturabschwung von kurzer Dauer sei, sei Kurzarbeit ein wirksames Instrument zum Schutz von Arbeitsplätzen, heißt es im Monatsbericht der EZB vom Donnerstag. Kämen solche staatlich geförderten Maßnahmen jedoch in größerem Umfang und über einen längeren Zeitraum hinweg zum Einsatz, seien sie negativ zu bewerten.

So belasteten derartige Maßnahmen die Staatshaushalte, ohne Investitionsanreize zur Konjunkturbelebung zu schaffen, begründet die Notenbank ihre Einschätzung. Darüber hinaus verringerten sie die Anreize für Unternehmen und Arbeitnehmer, Produktionsfaktoren an anderen Stellen wirtschaftlicher einzusetzen. „Die Wanderung von Arbeitskräften zwischen Unternehmen und Sektoren ist wichtig, damit gewinnbringende Investitionschancen, die sich im Zuge der wirtschaftlichen Erholung bieten, leichter genutzt werden können.“ Dies leiste einen wichtigen Beitrag zur Konjunkturerholung.

Die EZB erwartet ab Mitte 2010 wieder positive Wachstumsraten im Euro-Raum. Nach einem „extrem schwachen“ ersten Quartal werde die Wirtschaftstätigkeit im weiteren Verlauf des Jahres 2009 weitaus weniger negativ ausfallen, erklärte die Zentralbank. Nach der Inflationsrate von 0,0 Prozent im Mai erwarten die Währungshüter auf Grund von Basiseffekten für die kommenden Monate vorübergehend negative Inflationsraten, bis sich der Trend zum Jahresende wieder umkehre. Aus geldpolitischer Sicht seien die kurzfristigen Bewegungen aber nicht relevant.

Die Kerninflation im Euroraum von derzeit knapp zwei Prozent deutet nach Einschätzung der EZB trotz einer Gesamtinflation bei Null Prozent nicht auf einen allgemeinen Preisrückgang hin. Das derzeitige Inflationsniveau ohne Energie und Nahrungsmittel (Kerninflation) signalisiere, dass die mittelfristigen Inflationstrends weitgehend mit dem Inflationsziel der EZB in Einklang stünden, heißt es in dem Monatsbericht. Die EZB strebt mittelfristig eine Gesamtteuerung vom knapp zwei Prozent an.

„Allerdings bieten Messgrößen für die Kerninflation keine umfassende Darstellung des mittelfristigen Inflationsdrucks und müssen noch durch andere verfügbare Angaben ergänzt werden“, schränkt die EZB ein. Zudem ließen sich an der Kerninflation nicht unbedingt künftige Inflationstrends ablesen. Allerdings liefere die Tatsache, dass die Kerninflation die Gesamtinflation derzeit deutlich übersteige kaum Hinweise auf einen allgemeinen Preisrückgang. Vielmehr konzentriere sich der zu beobachtende Preisrückgang auf Erdölprodukte und Güter der Informationstechnologie.

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