Nach Zinsentscheid
Trichet weist den Weg

Die Europäische Zentralbank hält die Leitzinsen vorerst konstant bei 3,25 Prozent. In der anschließenden Begründung gab EZB-Präsident Jean-Claude Trichet deutliche Signale für die künftige Geldpolitik. Die Inflationsgefahr im Euro-Raum erfordere weiter „große Wachsamkeit“.

HB FRANKFURT. Mit dieser Formulierung hatte die EZB jeden der vergangenen fünf Zinserhöhungen einen Monat im Voraus angekündigt hatte. Die Leitzinsen im Euro-Raum seien noch immer niedrig, und die Zentralbank stütze damit weiter die Konjunktur, sagte Trichet. „Wenn sich die Annahmen und das Basisszenario des EZB-Rats weiter bestätigen, wird es weiterhin geboten sein, die akkommodierende Geldpolitik weiter zurückzunehmen“, sagte Trichet und fügte hinzu: „Die Risiken für die Preisstabilität bleiben klar aufwärts gerichtet.“

Die EZB ließ den Schlüsselzins für die Bankenrefinanzierung von derzeit 3,25 Prozent wie erwartet unverändert. Erst im Oktober hatten die Währungshüter den Zins zum fünften Mal seit Ende 2005 um 25 Basispunkte erhöht, um einen übermäßigen Preisanstieg während des Aufschwungs zu verhindern.

Nach jüngsten Daten blieb die Wirtschaft im Euro-Raum auf solidem Wachstumskurs. Aus Sicht der EZB sind die Risiken für die Preisstabilität nicht geschwunden, auch wenn der Ölpreisrückgang den Preisanstieg im September und Oktober auf Raten deutlich unter zwei Prozent dämpfte. Die Zentralbank rechnet mit einer wieder stärkeren Teuerung ab Jahresende, sodass sie 2007 mit Raten über zwei Prozent erneut ihr Stabilitätsziel verfehlen würde.

Die EZB hob seit Ende 2005 den Leitzins von historisch niedrigen zwei Prozent in fünf kleinen Schritten um insgesamt 125 Basispunkte an. Alle Erhöhungen wurden mit einer bestimmten Abfolge von Signalworten in den Erklärungen des Rates signalisiert.

Über den Zinsausblick 2007 gehen die Meinungen der Analysten auseinander. Eine knappe Mehrheit von 60 Prozent der monatlich von Reuters befragten Volkswirte erwartet mindestens noch eine weitere Erhöhung. Die Konjunktur werde trotz einiger Belastungsfaktoren wie der deutschen Mehrwertsteuererhöhung und einem schwächeren Wachstum in den USA im kommenden Jahr robust bleiben, so deren Argument. Mit Teuerungsraten über zwei Prozent werde die EZB ihr Stabilitätsziel erneut verfehlen.

Kräftigere Lohnerhöhungen und ein anhaltend hoher Ölpreis würden die EZB auf Zinserhöhungskurs halten. Die übrigen 40 Prozent vermuten, der EZB sei ein Zinsgipfel von 3,5 Prozent aus Sorge um die Konjunktur und wegen bald schwindender Inflationsgefahr hoch genug.

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