Nachgefragt: Axel Weber
„Steigt der Preisdruck, so handeln wir“

Bundesbankpräsidendt Axel Weber sieht Risiken für die Preisstabilität und die Konjunktur. Wie Weber in einem Gespräch mit dem Handelsblatt sagte, signalisieren der Ölpreisanstieg und das kräftige Wachstum der Geldmenge wie auch der Kreditvergaben Inflationsrisiken auf mittlere Sicht. Lesen Sie das Interview im Wortlaut:

In der Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) schwingt das Pendel wieder in Richtung einer Zinserhöhung. Diesen Eindruck lassen jüngste Äußerungen von Mitgliedern der europäischen Notenbank aufkommen. Stimmt das?

Im jetzigen wirtschaftlichen Umfeld ist die Geldpolitik angemessen, jedoch hat sich in jüngster Zeit der Ausblick für die Preisstabilität etwas eingetrübt. Denn der Ölpreisanstieg und das kräftige Wachstum der Geldmenge wie auch der Kreditvergabe signalisieren Inflationsrisiken auf mittlere Sicht. Nach wie vor sind die Inflationserwartungen auf niedrigem Niveau stabil. Wir sehen noch keine ölpreisbedingten Zweitrundeneffekte. Das liegt auch daran, dass die Lage am Arbeitsmarkt schwach ist und die Unternehmen höhere Kosten nur schwer weiter geben können.

Ist nicht auch der Konjunkturausblick etwas trüber geworden?

Das Risiko einer konjunkturellen Abschwächung im kommenden Jahr ist im Euroraum und in Deutschland nicht von der Hand zu weisen. Das binnenwirtschaftliche Wachstum dürfte – kalender- und saisonbereinigt – in diesem Jahr bei etwa einem Prozent und damit unter dem Potenzialwachstum liegen, das wir bei etwa 1,5 Prozent sehen.

Was macht Ihnen mehr Sorgen?

Sollte der von außen kommende Preisdruck überschwappen und sich in den Lohnverhandlungsrunden niederschlagen, werden wir handeln müssen, um die mittelfristige Stabilität der Preise zu sichern. Kurzfristige Preisverzerrungen etwa durch höhere Ölpreise sind dagegen für die Geldpolitik nicht so Besorgnis erregend.

Die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen liegt auf einem historisch niedrigen Niveau von unter drei Prozent. Stehen wir vor dem Platzen einer Zinsblase?

Eine Blase am Rentenmarkt ist nicht eindeutig auszumachen. Die vorhandene Liquidität ist reichlicher als für ein inflationsfreies Wachstum notwendig. Das trägt zum starken Wachstum der Kredite bei, die an private Haushalte vergeben werden. Doch entscheidend ist, ob und inwieweit die Überschussliquidität den Anstieg der Konsumentenpreise oder auch der Vermögenspreise antreibt. Für den Euroraum als Ganzes sehen wir jedoch keine übertriebene Vermögenspreisentwicklung. Bei Immobilien ist allerdings in einigen Regionen die Preisdynamik erheblich, was zum Teil auch an nationalen Regelungen zur Förderung des Immobilienerwerbs liegt. Hier muss es über die Zeit zu Preiskorrekturen kommen, die möglichst nicht abrupt verlaufen sollten.

Kommen durch den Ausgang der jüngsten Bundestagswahl stärkere Belastungen auf die Konjunktur zu?

Ich möchte über politische Konstellationen in Berlin und deren mögliche Folgen nicht spekulieren. Unabhängig davon muss jede Regierung, wie immer sie gebildet sein mag, die Reformen in Deutschland weiter voranbringen. Das gilt insbesondere für den Arbeitsmarkt, die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme, aber auch für die Budgetkonsolidierung. Das sind wichtige Beiträge, um das Wachstumspotenzial Deutschlands zu heben. Gerade die Haushaltskonsolidierung sollte Vorfahrt vor weiteren Steuersenkungen haben, weil sie entscheidend zur Verbesserung der langfristigen Wachstumsaussichten beitragen kann.

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