Konjunktur
Deutscher Exportüberschuss wird kleiner

Deutschland wird international dafür kritisiert, mehr Waren aus- als einzuführen. Nun sinkt dieser Leistungsbilanzüberschuss. Zu den Gründen zählen steigende Importe und Zahlungen an das Ausland.
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Im Juni sind die deutschen Warenexporte saisonbereinigt gegenüber Mai um 2,8 Prozent gesunken, die Importe gingen sogar um 4,5 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Vorangegangen waren allerdings jeweils kräftige Anstiege, sodass Analysten die Zahlen mehrheitlich als normale Schwankungen interpretierten, nicht als neuen Trend. Der Rückgang der Exporte sei „eine technische Korrektur, ähnlich wie bei der Industrieproduktion. Das ist nach fünf Anstiegen in Folge verkraftbar“, kommentierte Andreas Rees von Unikredit: „Der Aufwärtstrend bleibt intakt.“

Ein Trend zeigt sich jedoch bei Betrachtung des gesamten ersten Halbjahrs: Der Überschuss im Warenhandel mit dem Ausland ist in dieser Zeit gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um sieben Milliarden Euro auf 122,5 Milliarden Euro gesunken, weil die Importe deutlich stärker zunahmen als die Exporte. Außerdem verschlechterte sich der Saldo der sogenannten Sekundäreinkommen um neun Milliarden Euro auf minus 26,8 Milliarden Euro. Dazu gehören vor allem Zahlungen an internationale Organisationen und die Entwicklungshilfe, sowie Heimüberweisungen von Menschen mit ausländischen Wurzeln.

Im Ergebnis ging der Leistungsbilanzüberschuss, für den Deutschland aus dem Ausland oft scharf kritisiert wird, um rund zwölf Prozent auf 120 Milliarden Euro zurück. In dieser Höhe verschuldete sich das Ausland zusätzlich bei deutschen Adressen, um mehr deutsche Waren und Dienstleistungen aus Deutschland zu beziehen als nach Deutschland zu verkaufen. Im gesamten Vorjahr hatte der 8,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen. Da er schon seit Jahres so hoch ist, wurde dies unter anderem von der EU und den USA kritisiert. Bei einer Fortsetzung der Entwicklung des ersten Halbjahrs würde der Überschuss auf gut sieben Prozent des BIP sinken.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Konjunktur: Deutscher Exportüberschuss wird kleiner"

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  • @Hans Klahrin

    Machen wir ein einfaches Beispiel. Wenn wir für 100 Mrd. Euro Autos ins Ausland liefern, werden diese Autos bezahlt. Liefern wir sie in ein EU-Land, erhalten wir Euro. Liefern wir sie beispielsweise in die USA, erhalten wir Dollars.

    Dass man Autos in jeder beliebigen Währung bezahlen kann, sollte einleuchten. Einleuchten sollte auch, dass der Käufer nach der Übergabe der Geldscheine den Kaufpreis entrichtet und keine Schulden mehr hat.

  • @Frau Kah
    Ich denke, das ist schon richtig so. Volkswirtschaftlich und stark vereinfacht gesehen.
    Kauft ein Land bei uns für 100 Mrd Güter (wir exportieren) und liefert uns im Gegenzug für 50 Mrd Euro Waren (wir importieren), so schuldet uns dieses Land saldiert 50 Mrd.

  • Sehr geehrter Herr Häring,

    Sie beziffern den deutschen Leistungsbilanzüberschuss mit 120 Mrd. EURO und interpretieren, "in dieser Höhe verschuldete sich das Ausland zusätzlich bei deutschen Adressen". Ich kann diese Interpretation nicht nachvollziehen und bringe nachfolgend ein Beispiel.

    Daimler verkauft eine E-Klasse in die USA. Der Käufer zahlt bar 50 000 Dollar. Unsere deutsche Autofirma muß aber ihre Löhne und die bezogenen Vormaterialien in EURO bezahlen. Daimler tauscht deshalb bei der Bundesbank den erhaltenen Kaufpreis (50 000 Dollar) in EURO um.

    Am Ende aller Transaktionen hat die Bundesbank 50 000 Dollar Devisen. Und nun können wir darüber streiten, ob die 50 000 Dollar als "Schulden des Auslandes" anzusehen sind. Ich halte das für Quatsch. Die 50 000 Dollar sind eine Vermögensposition. Die Bundesbank kann sie jederzeit in andere Vermögensarten transferieren. Meinetwegen Schweizer Franken kaufen oder die Goldbestände aufstocken. Oder wie die Chinesen amerikanische Anleihen kaufen. Und wenn man ihre Statuten ändert, könnte sie mit ihrer Vermögensposition von 50 000 Dollar auch ein Aktienportfolio aufbauen. Meinetwegen mit amerikanischen Aktien.

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