Nach dem Brexit-Votum
Notenbanken greifen ein

Weltweit reagieren die Währungshüter auf das Brexit-Votum: Die Bank von England und die EZB sind zum Einsatz bereit - die Schweizer Notenbank hat bereits am Devisenmarkt interveniert.

LondonEs ist der Stoff, aus dem die Alpträume von Notenbankern gemacht sind. Bereits in den vergangenen Tagen haben sich die Zentralbanken für den Fall eines Brexits auf einen Notfalleinsatz vorbereitet. Jetzt kommt es zum Ernstfall. Der britische Notenbanchef Mark Carney hat am Morgen  bereits versichert, dass die Bank of England alles tun wird um nach dem Brexit-Votum die Stabilität des Finanzsystems garantieren. Die Zentralbank beobachte die Entwicklungen genau, heißt es in einer kurzen Stellungnahme. Es seien „umfangreiche Notfallplanungen“ ergriffen worden. Man arbeite eng mit dem britischen Finanzministerium, anderen heimischen Institutionen und anderen Notenbanken zusammen. Es würden alle notwendigen Schritte ergriffen, um „monetäre und finanzielle Stabilität“ zu gewährleisten.

Zur Geldversorgung der Bankenbranche stünden zusätzliche 250 Milliarden Pfund zur Verfügung, sagte der Chef der Bank von England (BoE), Mark Carney. Falls nötig, könne die britische Notenbank auch massive Liquidität in Fremdwährung bereitstellen. „Es wird unvermeidlich eine Zeit der Unsicherheit und der Anpassung geben nach diesem Ergebnis“, warnte er.

Ein ähnliches Statement gab auch Europäische Zentralbank (EZB) heraus. Sie stehe "bereit, falls nötig, zusätzliche Liquidität in Euro und in Fremdwährungen bereitzustellen", teilten die Euro-Wächter am Freitag mit. Die EZB habe sich auf diesen Notfall in engem Kontakt mit den Banken, die sie überwache, vorbereitet. Sie beobachte die Finanzmärkte genau und stehe in engem Kontakt mit anderen Zentralbanken. Die EZB stuft das Bankensystem der Euro-Zone bezüglich Kapital und Liquidität als widerstandsfähig ein.

Eines der Szenarien, vor denen sich Politiker und Notenbanker fürchten ist ein Austrocknen des Devisenmarkts, weil ausländische Banken nicht mehr bereit sind, gegen das taumelnde Pfund Devisen anzubieten. Deshalb haben die großen Notenbanken wie die EZB und die Bank of England untereinander sogenannte Swap-Linien vereinbart. Das ermöglicht es den Währungshütern schnell Milliardensummen in ihren jeweiligen Währungen gegeneinander tauschen und dadurch im Notfall den Devisenmarkt zwischen den Banken zu ersetzen. Ähnlich waren die Notenbanker in der Finanzkrise vorgegangen.
Sollte der Absturz des Pfundes ungebremst weiter gehen, könnten die Währungshüter auch direkt am Markt eingreifen. Die EZB hätte im Falle eines Falles im Konzert mit anderen Notenbanken die Möglichkeit gegen selbstgedrucktes Geld Pfund aufzukaufen.

Bereits am Devisenmarkt interveniert hat die Schweizer Nationalbank (SNB), um dem starken Anstieg des Franken einzudämmen. Die Bank von England stellte zusätzliche Mittel zur Geldversorgung der Finanzbranche des Landes bereit. Der Franken war am Freitagmorgen zum Euro auf den höchsten Stand seit Sommer 2015 gestiegen. Es war der stärkste Zuwachs an einem Tag seit der Aufhebung des Mindestkurses Anfang 2015. Das britische Pfund verzeichnete zum Dollar zeitweise den heftigsten Kursverlust seit mindestens 40 Jahren.

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent
Agentur
Reuters 
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