Rückschlag für die EZB
Euroraum droht wieder Null-Inflation

Volkswirte erwarten, dass die Verbraucherpreise im September erstmals seit fünf Monaten stagnierten. Für die Geldpolitiker der EZB dürfte eine stagnierende Teuerung ein Rückschlag sein – aber keine Überraschung.

FrankfurtVor mehr als drei Wochen erklärte der Präsident der Europäischen Zentralbank, die Inflationsrate könnte in diesem Jahr aufgrund des neuerlichen Ölpreisrückgangs wieder negativ werden. Am Mittwoch dürfte der 19 Mitglieder umfassende Währungsraum einen Schritt in diese Richtung tun, wenn die Inflationsdaten für September veröffentlicht werden. Volkswirte erwarten, dass die Verbraucherpreise im September erstmals in fünf Monaten stagnierten.

Für die Geldpolitiker der EZB dürfte eine stagnierende Teuerung einen Rückschlag bedeuten, bemühen sie sich doch seit annähernd zwei Jahren darum, die Inflation wieder in Richtung zwei Prozent zu bringen. Auch eine neue Debatte über Deflationsrisiken könnte dadurch ausgelöst werden. Allerdings haben die Währungshüter bereits mehrfach betont, dass sie zwar zu neuen Konjunkturmaßnahmen bereit sind, aber mehr Beweise wollen, bevor sie eine Entscheidung treffen.

„Die Zahlen in diesem Monat werden die EZB kaum zum Handeln veranlassen“, sagte Ben May, Volkswirt bei Oxford Economics Ltd. in London. „Die quantitative Lockerung hat Zweitrundeneffekte aus dem Verfall der Ölpreise verhindert, und die anziehende Kern-Teuerung in den vergangenen Monaten ist beruhigend. Manche machen sich vielleicht Sorgen wegen des neuen Rückgangs bei der Teuerung, aber die EZB hat sich bemüht, sich von diesen Sorgen zu distanzieren.“

Am Mittwoch um 11 Uhr MESZ wird das europäische Statistikamt in Luxemburg die Inflationszahlen für September veröffentlichen. Die Prognosen der Volkswirte liegen zwischen 0,3 Prozent und minus 0,2 Prozent. Zum gleichen Zeitpunkt veröffentlicht Eurostat Arbeitslosenzahlen für August. Bereits am Dienstag will die Europäische Kommission aktuelle Daten zum Wirtschaftsvertrauen in der Region vorstellen.

Die Ölpreise sind seit Ende Juni um mehr als 24 Prozent gesunken. Aktuell kostet ein Barrel Öl halb so viel wie vor einem Jahr. Der Rückgang bei den Energiekosten hat in der Eurozone zu einem Anstieg des verfügbaren Einkommens geführt und das Verbrauchervertrauen gestützt. Die Binnennachfrage wurde zu einem zentralen Antriebsfaktor für die Erholung im Euroraum.

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Euroraum droht wieder Null-Inflation

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Spekulationen um Ausweitung der Konjunkturmaßnahmen

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