Schwacher Euro
EZB-Geldschwemme stärkt deutsche Exporteure

Während die Fed die Zinswende plant, will die Europäische Zentralbank die Konjunktur mit noch mehr billigem Geld anschieben. Das wird die deutsche Exportwirtschaft stärken. Allerdings ist das nur ein Teil der Wahrheit.

FrankfurtNiedrige Zinsen, schwacher Euro – das sind theoretisch beste Bedingungen für eine Exportnation wie Deutschland. Das billige Geld sollte Unternehmen zum Investieren anregen. Und von der Schwäche der Gemeinschaftswährung profitieren Unternehmen, die viel ausführen, denn ihre Waren werden auf dem Weltmarkt günstiger.

Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit: Wegen der Flaute in wichtigen Absatzmärkten halten sich Firmen damit zurück, Geld in Maschinen und Geräte zu stecken. Und die meist in US-Dollar gehandelten Rohstoffe für die Industrie verteuern sich tendenziell – auch wenn sich dieser Effekt dank des niedrigen Ölpreises bislang in Grenzen hält.

„Der günstige Euro und die niedrigen Rohstoffpreise werden nicht ewig den Wachstumskurs unserer Außenwirtschaft stützen“, mahnt Außenhandels-Präsident Anton F. Börner: „Daher ist es umso wichtiger, dass die in Europa so nötigen Strukturreformen zur Lösung der Euroschuldenkrise endlich eingeleitet und umgesetzt werden.“

Für die deutsche Wirtschaft lieferte der traditionell starke Export schon im Sommer unter dem Strich keine Impulse. Zwar stiegen die Ausfuhren leicht, die Importe kletterten jedoch deutlich rasanter. Das moderate Wachstum von 0,3 Prozent zum Vorquartal verdankt Europas größte Volkswirtschaft daher vor allem konsumfreudigen Verbrauchern und einem Staat, der zum Beispiel für die Unterbringung Zehntausender Flüchtlinge kräftigt investieren muss.

Nach dem jüngsten Euro-Kursrutsch steigen die Chancen, dass der Außenhandel wieder zur Konjunkturstütze wird. Experten erwarten, dass der Euro noch einige Zeit schwächelt. Vor allem, weil die Europäische Zentralbank (EZB) ihre ohnehin extrem großzügige Geldpolitik schon im Dezember noch weiter lockern dürfte, während die US-Notenbank Fed vermutlich die Leitzinsen erstmals seit Jahren anheben dürfte. „Ein realistisches Szenario für die kommenden sechs Monate ist, dass die Divergenz in der Geldpolitik der Notenbanken zu einer Aufwertung des Dollar führt“, analysiert Chris Iggo von AXA Investment Managers.

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Für Deutschlands Exportwirtschaft ist der schwache Euro ein Segen

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